09.10.2018, 6364 Zeichen
HV A-tec 1. Das Erfreuliche zuerst: Das Grätzl nächst dem Rosenberg im 23. Bezirk mit seinem ländlichen Charakter ist wunderschön, und das Volk dort ist sehr freundlich, so viele lächelnde Gesichter sieht man selten, wenn man als Fremder nach dem Weg fragt. Die HV der A-tec Industries AG fand am 8.10.18 um 14 Uhr im Hotel Dialog Am Spiegeln statt. Das mit der versprochenen Gastkarte bei Stückzahlen von unter 1 (also unter 1.000 Altaktien vor Kapitalherabsetzung) Aktie war nicht so einfach, man sollte auch diese Bruchteile einer Aktie im Aktienbuch eingetragen haben. Diese ganze Prozedur hatte ich mir vorher nicht angetan, ich hatte mit A-tec (da ich mit meiner Stückzahl nicht an der KE teilnehmen konnte) ja längst abgeschlossen, selten galt für mich „Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!“ mehr als bei A-tec. Meine Hoffnung bestand darin, dass Mirko Kovats endlich aufhört zu trutzen, dass er zur HV erscheint wie jeder normale Vorstand, und dass wir über die Zukunft der A-tec vernünftig reden können. Aber Herr Kovats ist leider geschäftsmäßig (Urlaubsreise wird es ja keine gewesen sein, um diese Zeit?) so gefordert, dass er auch dieses Mal wieder im Ausland unabkömmlich war, anstatt zur HV zu kommen. Mehr wusste sein Vorstandskollege Franz Fehringer auch nicht. Herr Fehringer segnete die Gastkarte für mich ab, die Teilstücke stehen immer noch auf dem Depotauszug, den ich mit hatte. Ohne diese Aktienbruchstücke hätte ich wohl nicht einmal die Gastkarte bekommen. Und obwohl Dr. Michael Herzer, der Anwalt von A-tec, meinte, dass der Gesetzgeber nicht vorgegeben habe, wie mit Aktienbruchteilen zu verfahren sei, das Gesetz sei aus 1937, gab es für mich kein Rede- und Fragerecht. Also musste ich schweigen und das Feld alleine Berthold Berger überlassen, der die Interessen der Kleinaktionäre somit im Alleingang vertrat. Und der von seinem Rede- und Fragerecht ausgiebig Gebrauch machte. Natürlich war ein Duell Berger gegen Fehringer weniger laut als ein Duell Berger gegen Kovats gewesen wäre, interessant war es allemal, es ist schade, dass so viele Aktionäre auf dieses Entertainment verzichtet haben. Laut Herzer hatten immerhin 62 Aktionäre bei der Kapitalerhöhung mitgemacht. Es kamen: insgesamt 7 Aktionäre, davon waren nur 4 wehrhafte Kleinaktionäre, die bei mehreren Tagesordnungspunkten jeweils ihre 7 Gegenstimmen (war auch mal ein Vermögen, wenn man bedenkt, dass es zu einem Kapitalschnitt 1.000 zu 1 gekommen war, und vor Jahren hatten die nun praktisch wertlosen Altaktien auch einmal schöne Kurse.) abgaben und Widerspruch zu Protokoll anmeldeten. Ich, unter 1.000 Altaktien, war nicht einmal Kleinaktionär: nur „Gast“. Die OeKB war auch anwesend, verhielt sich aber bei den Abstimmungen unauffällig (zählte als zustimmend, da sie bei keinem Punkt dagegen stimmte). Wir hofften, dass zumindest von den 62 Aktionären, die an der KE teilgenommen hatten, noch einige kommen würden, noch war ja nicht alles verloren, noch war die Liquidation nicht beschlossen, und A-tec-Aktionäre sind bekanntlich extrem leidensfähig. Wir warteten noch 10 Minuten, aber es kam niemand mehr. So begann die HV mit dieser kleinen Verspätung. Diese 10 Minuten nutzte ich, um den Notar zu fragen, welche Auswirkungen die Liquidation habe. Antwort: Solange die AG nur den Zusatz „in Liquidation“ führt, müssen nach wie vor Wirtschaftsprüfer bezahlt und Hauptversammlungen einberufen werden, eine Folge-HV kann die Liquidation auch widerrufen. Ersparnis gebe es erst, wenn die Gesellschaft im Firmenbuch gelöscht ist. Aber er sei nur der beurkundende Notar, für solche Fragen ohnehin nicht zuständig. Sehr erfreulich: Es gab bei A-tec keine Taschen- und Personenkontrollen. Wenigstens eine AG, die keine Angst vor ihren Aktionären hat, danke für das Vertrauen!
Der Notar klärte uns zu Beginn der HV auf, dass weder der Aufsichtsratsvorsitzende noch sein Stellvertreter erschienen seien. Von 611 stimmberechtigten Aktionären (d.h.ein Großteil der Aktionäre hatte über 1.000 Altstücke, bekam also ganze neue Aktien, ohne an der KE teilzunehmen. Im Aktienbuch sind sie immerhin eingetragen, sonst wüssten wir ihre Zahl nicht) seien 7 Aktionäre bzw. Aktionärsvertreter erschienen, vom Kapital in Höhe von nun 79.200 Euro (79.200 Aktien) seien 63.538 Stück auf der HV zugegen. Der Vorsitzende der HV musste gewählt werden, der Vertreter der M.U.S.T. Privatstiftung schlug Dr. Herzer vor. 63.531 Stimmen sprachen sich für ihn aus, 7 gegen ihn. Die korrekte Aussprache der Stiftung dürfte laut Herzer „EM U ES TE Privatstiftung“ sein. Mit 63.538 Aktien seien 80,22% der gesamten Stückaktien anwesend.
Herzer fragte, ob der Antrag der M.U.S.T. Privatstiftung vom 17.9.18 vorgelesen werden müsse. Berger sagte „Natürlich, er liegt ja nicht vor!“ Herzer meinte: „Hier ist er.“ (am Podium). Berger: „Er hat ihn mir nicht gegeben! “Herzer: „Das war der Abschlussprüfer, Sie müssen zum Vorstand gehen!“ Kindereien, der Vorstand saß eh neben ihm. Wer weiß schon, wann dieser Antrag bei A-tec tatsächlich eingelangt ist, der Vertreter der M.U.S.T. Privatstiftung hatte ihn ja gerade erst dorthin legen lassen, er trägt auch keine Unterschriften. Berger setzte sich dafür ein, dass das gesamte Saalpublikum (viele waren wir eh nicht) den Antrag vom 17.9.18, die Bilanz zum 31.12.2017 (1 Seite), die GuV 2017 (1 Seite), den Bericht des Aufsichtsrats (1 Seite) und den Lagebericht (3 Seiten) in Kopie bekommt. Auch der „Gast“. Nachdem wir alles bekommen hatten (eine Sache von wenigen Minuten), verzichtete Berger auf das Vorlesen. Diese Spielereien, ich verstehe es ja nicht, dass – egal wie gut oder schlecht es A-tec geht – die immer sagen, Bilanz usw. liegen „zur Einsicht auf“ und „waren auch im Internet abrufbar“. Die paar Aktionäre, die paar Kopien der wenigen Seiten, dass das immer so ein Problem sein muss, ich komme aus dem Kopfschütteln gar nicht heraus. Der Lagebericht trägt den uneingeschränkten Bestätigungsvermerk der BDO. Wir erfuhren das Übliche: Fragen sind nur zur Tagesordnung zulässig, im Hinblick auf die Sitzungsökonomie ist eine angemessene Redezeit zu beachten, Abstimmung erfolgt nach dem Subtraktionsverfahren, während der Abstimmung darf niemand den Saal verlassen, Mobiltelefone sind auszuschalten, um einen ungestörten Ablauf der HV zu gewährleisten, es dürfen keine Fotografien und keine Filmaufnahmen gemacht werden.
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