29.07.2020, 6441 Zeichen
In Wien übten sich die Anleger vor der heutigen Fed-Sitzung und einigen Unternehmensergebnissen, die im weiteren Wochenverlauf veröffentlicht werden sollen, in Zurückhaltung, der Handel war auch urlaubsbedingt als eher dünn einzustufen, der ATX schloss mit einem Minus von 0,8%. Zahlen wurden von der Bawag vorgelegt, die Bank reduzierte ihren Nettogewinn wegen höherer Risikovorsorgen im ersten Halbjahr von rund 219 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 122 Millionen Euro, trotz der Krise wird aber mit einem soliden Geschäft im Gesamtjahr gerechnet und die Dividende soll vorbehaltlich der aufsichtsrechtlichen Zustimmung ausgeschüttet werden, in Summe brachte das den Titel gestern 2,8% nach oben. Die beiden anderen großen Banken schlugen sich weniger gut, die Erste Group musste 0,6% abgeben, bei der Raiffeisen gab es eine 1,4% tiefere Schlussnotierung. OMV belässt die Dividende entgegen der Ankündigung Ende März, wo eine Erhöhung in Aussicht gestellt worden war, jetzt unverändert, zusätzlich wurde die Begebung einer unbefristeten nachrangigen Anleihe mit einem Gesamtvolumen von bis zu 1,5 Milliarden Euro angekündigt, das liess den Ölkonzern 1,9% tiefer aus dem Handel gehen. Die Deutsche Bank äußerte sich anerkennend zu den Zahlen, die Wienerberger am Vortag vorgelegt hatte, das Kursziel wurde von 19,5 Euro auf 23,0 Euro angehoben und die Kaufempfehlung wurde bestätigt, der Ziegelkonzern konnte daraus allerdings keinen Profit ziehen, nach dem deutlichen Anstieg vom Vortag kam es gestern zu einem Rückgang von 3,2%. Die Baader Bank bestätigte die Kaufempfehlung und das Kursziel von 42,0 Euro für Andritz, der Anlagenbauer musste aber ebenfalls nachgeben und schloss 1,7% tiefer. Gewinner des Tages war Palfinger, der Kranhersteller konnte um 4,0% vorrücken, auch Frequentis war gesucht und schaffte eine Verbesserung von 3,1%. Verlierer des Tages nach Wienerberger war Kapsch TrafficCom, für den Mautsystemanbieter ging es 3,0% nach unten, auch FACC konnte aus den guten Zuwächsen der europäischen Mitbewerber keine Vorteile für sich ziehen und musste 2,8% abgeben.
OMV
Das heimische Öl- und Gasunternehmen OMV berichtete heute die Ergebnisse zum Q2/20, die beim Umsatz unter, jedoch bei den Ergebniszahlen über den Analystenschätzungen lagen. Die Konzernumsatzerlöse sanken um 48% auf €3.138 Mio. Dies ist auf das generell ungünstigere Umfeld für Rohstoffpreise weltweit und niedrigere Verkaufsmengen bei flüssigen Kohlenwasserstoffen zurückzuführen. Das CCS Operative Ergebnis vor Sondereffekten verringerte sich um 86% von auf €145 Mio. Das Upstream-Ergebnis betrug €–152 Mio. (Q2/19: €650 Mio.). Das CCS Operative Ergebnis vor Sondereffekten von Downstream belief sich auf €309 Mio. (Q2/19: €428 Mio.). Das EBIT sank um 94% auf €63 Mio. (Q2/19: €1.087 Mio.). Der den Aktionären zuzurechnende Periodenüberschuss verringerte sich deutlich auf €24 Mio. (Q2/19: €543 Mio.). Das Unternehmen gab gestern bekannt seinen ursprünglichen Vorschlag für eine Dividendenausschüttung von €2,00/Aktie aufgrund des wirtschaftlichen Umfeldes anzupassen. Der Vorstand der OMV wird daher der ordentlichen Hauptversammlung am 29. September 2020 die Auszahlung einer Dividende in Höhe von €1,75/Aktie im Einklang mit der bestehenden Dividendenpolitik für das Geschäftsjahr 2019 vorschlagen und damit die Dividende auf der Höhe des Vorjahres belassen. Die OMV erwartet für das Jahr 2020 einen durchschnittlichen Brent-Rohölpreis von $40/bbl (2019: $64/bbl). Der durchschnittlich realisierte Gaspreis wird nun für 2020 unterhalb von €10/MWh erwartet (vorherige Prognose: bei €10/MWh; 2019: €11,9/MWh). Organische Investitionen werden sich im Jahr 2020 voraussichtlich auf rund €1,7 Mrd. belaufen (vorherige Prognose: unter €1,8 Mrd.; 2019: €2,3 Mrd.). Im Upstream erwartet man eine Gesamtproduktion zwischen 450 kboe/d und 470 kboe/d (vorherige Prognose: zwischen 440 kboe/d und 470 kboe/d). Im Downstream geht man von einer OMV Referenz-Raffineriemarge von voraussichtlich rund $3/bbl aus (vorherige Prognose: rund $4/bbl; 2019: $4,4/bbl). Die Gesamtverkaufsmenge an Raffinerieprodukten wird 2020 unter jener von 2019 prognostiziert.
Q2/20: Umsatz: €3.138 Mio. (3.655e); EBIT: €63 Mio. (19,2e); Periodenüberschuss: €24 Mio. (-26,9e)
ams
Der heimische Hersteller von Sensoriklösungen ams präsentierte heute seine Zahlen zum zweiten Quartal 2020, die größtenteils über den Erwartungen lagen. Der Gruppenumsatz im 2. Quartal betrug $460,3 Mio. und lag damit 8% niedriger gegenüber dem Vorquartal, jedoch um 13% höher gegenüber $407,3 Mio. im Vorjahresquartal. Das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) für das 2. Quartal betrug USD 90,1 Mio. oder 20% des Umsatzes (vor akquisitionsbedingtem Aufwand und Aufwand für aktienbasierte Vergütung), ein deutlicher Anstieg gegenüber $49,0 Mio. im Vorjahreszeitraum (USD 39,2 Mio. oder 9% des Umsatzes einschließlich akquisitionsbedingtem Aufwand und Aufwand für aktienbasierte Vergütung, ein Anstieg gegenüber $21,5 Mio. im 2. Quartal 2019). Das bereinigte Nettoergebnis des 2. Quartals lag bei $56,8 Mio. (bereinigt um akquisitionsbedingten Aufwand und Aufwand für aktienbasierte Vergütung) gegenüber $52,2 Mio. Das Geschäft von ams entwickelte sich im 2. Quartal und der ersten Jahreshälfte 2020 sehr positiv vor dem Hintergrund der anhaltenden Auswirkungen von Covid-19 auf die globale Wirtschaft und die weltweiten Endmärkte. Für das 2. Quartal erzielte ams Ergebnisse in der Mitte oder am oberen Ende der veröffentlichten Erwartungsspanne. Diese positive Entwicklung beruhte erneut insbesondere auf dem Consumer-Geschäft von ams und der anhaltend freundlichen Gesamtnachfrage im Consumer-Markt. Basierend auf verfügbaren Informationen und der oben genannten Definition erwartet ams im 3. Quartal einen Umsatz für das ams-Geschäft von USD 530-570 Mio., was einen Anstieg von 20% gegenüber dem Vorquartal darstellt, bezogen auf die Mitte der erwarteten Spanne. Dieser positive Ausblick beruht auf einem starken Consumer-Geschäft, das die anhaltende Nachfrageschwäche im Großteil des Non-Consumer-Geschäfts von ams kompensiert. Ungeachtet dieser Situation geht ams von einer robusten Profitabilität im 3. Quartal mit einer erwarteten bereinigten operativen (EBIT) Marge von 21-24% aus, die auf den operativen Stärken von ams beruht.
Q2/20: Umsatz: $460,3 Mio. (472e); EBITDA: $172,9 Mio. (145,8e); EBIT: $90,1 Mio. (58,7e); Ergebnis nach Steuern: $56,8Mio. (46,2e)
Aus den Wiener Privatbank Morning News
Börsepeople im Podcast S25/08: Franz Schellhorn
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