21.03.2026, 3546 Zeichen
Neuer Chef, neues Kontrollgremium, neues Sanierungskonzept — bei BayWa läuft gerade alles gleichzeitig. Ausgerechnet in dieser Gemengelage präsentiert der Konzern am 26. März seine Q4-Zahlen. Der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein.
Personalrochade mit Systemcharakter
CEO Frank Hiller verlässt das Unternehmen — sein Mandat endete mit sofortiger Wirkung, der formelle Abgang folgt im Juli 2026. Parallel dazu räumen drei Aufsichtsratsmitglieder ihre Posten: Monika Hohlmeier und Michael Höllerer Ende März, Monique Surges Ende Mai. Alle drei hatten den schuldenfinanzierten Expansionskurs mitgetragen, der BayWa 2024 in die Schieflage trieb.
Der Umbau beschränkt sich nicht auf Köpfe. Die Zustimmungspflicht für Geschäfte wurde von 200 Millionen auf 50 Millionen Euro abgesenkt — eine direkte Reaktion auf die Kontrolldefizite der Vergangenheit.
Entschuldung: Ein Drittel geschafft, zwei Drittel offen
Beim operativen Rückbau macht BayWa messbare Fortschritte. Rund 1,3 Milliarden Euro Schulden wurden seit 2025 abgebaut, maßgeblich durch den Verkauf der Handelstochter Cefetra. Das entspricht knapp einem Drittel des Gesamtziels von 4 Milliarden Euro bis 2028. Bis 2027 sollen zudem 1.300 Stellen wegfallen, 26 Niederlassungen schließen und der Umsatz auf rund zehn Milliarden Euro schrumpfen.
Das eigentliche Kernproblem bleibt jedoch die Energiesparte BayWa r.e. Der geplante Erlös von 1,7 Milliarden Euro aus dem Verkauf der 51-prozentigen Beteiligung ist nicht mehr realisierbar — veränderte regulatorische Rahmenbedingungen, besonders in den USA, drücken die erzielbaren Preise erheblich. Auch die EBITDA-Ziele wurden kassiert: Statt 230 Millionen Euro für 2028 plant die Tochter nun mit rund 150 Millionen Euro für 2030. Der Planungshorizont verschiebt sich damit um zwei Jahre nach hinten.
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BaFin-Rüge und Ermittlungen als Belastung
Die Rahmenbedingungen für den Neustart sind alles andere als komfortabel. Die BaFin beanstandete den Jahresabschluss 2023 formell: BayWa hatte wesentliche Finanzierungsrisiken verschwiegen, darunter die Bedingungen eines Milliardenkredits sowie Refinanzierungsrisiken für eine 500-Millionen-Euro-Anleihe und kurzlaufende Schuldverschreibungen über 632 Millionen Euro.
Gleichzeitig ermittelt die Staatsanwaltschaft München I wegen des Verdachts der Untreue gegen ehemalige Verantwortliche, darunter Ex-CEO Marcus Pöllinger.
Was am 26. März auf dem Tisch liegt
Die Q4-Zahlen werden zeigen, wie hoch die Abschreibungen in der Energiesparte tatsächlich ausfallen. Der vollständige Jahresabschluss 2025 dürfte sich wegen notwendiger Neubewertungen bis ins vierte Quartal 2026 verzögern. Parallel verhandelt das Management mit Kernbanken und Hauptaktionären über eine Stillhaltevereinbarung bis Herbst 2026 — um Zeit für ein völlig neues Sanierungskonzept zu gewinnen. Als nächster Verkaufskandidat steht die neuseeländische Tochter Turners & Growers auf der Agenda; Insider schätzen den möglichen Erlös auf rund 300 Millionen Euro. Die Aktie notiert derzeit rund 14 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt — der Markt preist die Unsicherheit ein.
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