13.03.2026, 5084 Zeichen
Die Belegschaft bei Volkswagen stellt sich in der Krise geschlossen hinter die IG Metall. Die laufenden Betriebsratswahlen, die heute in Wolfsburg enden, zeigen eine massive Zustimmung für die etablierten Arbeitnehmervertreter. Diese starke Rückendeckung kommt nur Tage, nachdem der Konzern drastisch erweiterte Stellenstreichungen angekündigt hat – und bereitet den Boden für harte Verhandlungen.
Im Zentrum der Wahl steht das Stammwerk Wolfsburg, wo über 60.000 Beschäftigte über 67 Sitze im Gesamtbetriebsrat entscheiden. Die amtierende Vorsitzende Daniela Cavallo führt die IG Metall-Liste an und will die Mehrheit von 85,5 Prozent aus der Wahl 2022 halten oder übertreffen. Die endgültigen Zahlen aus Wolfsburg stehen noch aus, doch erste Ergebnisse aus Tochtergesellschaften zeigen ein klares Bild.
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Bei Volkswagen Financial Services errang die IG Metall 90,09 Prozent der Stimmen und sicherte sich 30 von 33 Sitzen. Auch bei Zulieferern wie Brose Sitech und dem Engineering-Partner IAV gewann die Union alle verfügbaren Mandate. Die Wahlbeteiligung stieg teilweise deutlich an – ein Zeichen für die Mobilisierung in unsicheren Zeiten.
Die Wahl findet in einer angespannten Atmosphäre statt. Ein heftiger Streit zwischen Betriebsrat und Vorstand um eine Mitarbeiter-Prämie belastet das Klima. Cavallo kritisierte scharf, dass der Vorstand eine Entscheidung über einen Anerkennungsbonus aus einem Netto-Cashflow von sechs Milliarden Euro auf die Zeit nach der Wahl verschoben hat.
Als Begründung nannte der Konzern rechtliche Bedenken: Eine Zahlung unmittelbar vor der Wahl könne als unzulässige Einflussnahme gewertet werden. Cavallo wies dies als Verzögerungstaktik zurück. In früheren Wahljahren wie 2014, 2018 und 2022 seien Bonuszahlungen in zeitlicher Nähe zur Wahl problemlos erfolgt.
Die massive Unterstützung für die IG Metall ist direkt vor dem Hintergrund dramatischer Konzernzahlen zu sehen. Erst diese Woche gab Volkswagen bekannt, dass der operative Gewinn 2025 um über 53 Prozent eingebrochen ist – auf den tiefsten Stand seit 2016.
Als Reaktion darauf verschärft Konzernchef Oliver Blume den Sparkurs massiv. Bis 2030 sollen in Deutschland nun rund 50.000 Stellen wegfallen. Das sind 15.000 Streichungen mehr als im Tarifabschluss von Dezember 2024 vereinbart. Die neuen Kürzungen sollen vor allem die Premiummarken Audi und Porsche sowie die Softwaretochter Cariad treffen.
Finanzvorstand Arno Antlitz betonte die Notwendigkeit der Maßnahmen. Die aktuellen Margen reichten für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit nicht aus. Zugleich kürzte der Konzern seine langfristigen Investitionspläne von 180 auf 160 Milliarden Euro bis 2028.
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Die Gründe für die Krise sind vielfältig: In China verliert Volkswagen Marktanteile an lokale Elektroauto-Hersteller wie BYD. In Europa ist die Nachfrage schwach, hinzu kommen drohende US-Handelszölle und die hohen Kosten der Elektrifizierung.
Die Betriebsratswahlen 2026 markieren eine Zäsur in den deutschen Industriebeziehungen. Die Belegschaft sieht in der IG Metall offenbar den entscheidenden Schutzschild gegen den verschärften Sparkurs. Der Tarifvertrag von 2024 schließt betriebsbedingte Kündigungen zwar bis 2030 aus und setzt auf Altersteilzeit und natürlichen Abgang. Doch ob diese sozialverträglichen Methoden für 15.000 zusätzliche Streichungen reichen, ist fraglich.
Die Stimmung wird durch eine als ungerecht empfundene Verteilung belastet. Während die Belegschaft Stellenabbau und ausgesetzte Tariferhöhungen hinnehmen soll, bleiben hohe Manager-Boni nach Berichten weitgehend unangetastet. Dies hat die Mobilisierung bei der Wahl befeuert.
Mit dem erdrutschartigen Mandat im Rücken wird der neu gewählte Betriebsrat sofort eine volle Agenda abarbeiten müssen. Die ersten Aufgaben: eine schnelle Lösung im Bonusstreiß erzwingen und klare Kontrollrechte für das erweiterte Sparprogramm sichern. Die starke Position wird es der IG Metall erlauben, dem Vorstand bei den geplanten Kürzungen erhebliche Zugeständnisse abzuringen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Volkswagen den Spagat zwischen finanzieller Sanierung und dem Willen der gestärkten Belegschaft schafft.
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