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ÖIAG/ÖBIB: Nagelprobe Post (Wilhelm Rasinger)

Autor:
Wilhelm Rasinger

ist Präsident des IVA, Honorarprofessor für Betriebswirtschaft und Aufsichtsrat bei Wienerberger, Erste Group Bank AG und S IMMO AG.

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28.01.2015, 2502 Zeichen

Es war eine schwere Geburt und die „Hebammen“ , die Experten, die das Konzept erstellten, waren sich nur insofern einig, dass kein großer Wurf gelang. Nach einer minimalistischen Korrektur des Mietrechts haben sich die Koalitionsparteien auf eine weitere Schmalspurvariante geeinigt. Es gibt in der ÖBIB keinen Aufsichtsrat mehr, was zu verschmerzen ist. Neu ist ein Nominierungskommitee, das für die Aufsichtsratsbesetzungen in den drei börsenotierten Gesellschaften OMV, Telekom und Post Vorschläge machen soll. Die Aufsichtsräte der Telekom wurden vor kurzem neu gewählt und gemäß Syndikatsvertrag stehen dem Minderheitsgesellschafter ÖIAG/ÖBIB zwei Mandate zu. Ebenso sind die zu vergebenden Mandate bei der OMV wegen vertraglicher Bindungen zum zweitgrößten Aktionär aus dem arabischen Raum stark begrenzt.

Spannend wird es bei der Post AG. Bereits am 15.4.2015 muss die Hauptversammlung über Wiederwahl bzw. Neubesetzung aller acht Aufsichtsratsmandate eine Entscheidung treffen. Der Anteil der Republik liegt bei 50 Prozent. Das Unternehmen hat sich unter dem Sozialdemokraten Anton Wais und seinem Nachfolger Georg Pölzl, unterstützt von einem konservativen Finanzchef, hervorragend entwickelt. Die Post musste einen dramatischen Strukturwandel in kürzester Zeit verkraften: das Internet hat den Briefverkehr extrem beeinträchtigt. Die Bedeutung des kostenintensiven Filialnetzes hat stark abgenommen und war nicht mehr zeitgemäß.
Es heißt: „Never change a winning team“. Der Aufsichtsrat hat den Vorstand all die Jahre konstruktiv und kompetent begleitet. Es gibt keine wirtschaftlichen Gründen, den Aufsichtsrat komplett neu aufzustellen.

Es wird spannend, ob das Nominierungskommitee den Unternehmen verpflichtet ist oder ein Schritt zurück in eine Verpolitisierung gesetzt wird. Nicht ignoriert werden darf, dass fast 50 Prozent der Aktien der Streubesitz hält. Darunter sind viele Kleinanleger aus Österreich, die dem Unternehmen und seiner Führung vertrauen, eine Aktie für „Witwen und Waisen“.

Ein Hinweis für die Belegschaftsvertretung: Schauen Sie nach Linz zur voestalpine, wo eine Mitarbeiter-Privatstiftung durch graduellen Lohnverzicht über viele Jahre eine Beteiligung von über 15 Prozent aufgebaut hat. Die beste Sicherung von Arbeitsplätze ist ein wirtschaftlich erfolgreich geführtes Unternehmen. Strukturänderungen sind immer wieder unausweichlich, sind aber sozial verträglich abzufedern.
Die neue ÖIAG/ÖBIB steht vor einer Bewährungsprobe, die Latte bei der Post liegt sehr hoch.

 


(28.01.2015)

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