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Binder+Co: Das Geschäftsmodell (Daniel Koinegg)

27.08.2015, 7403 Zeichen

Als nächstes Unternehmen, das in den Fokus im Bargain Magazine rückt, ist wie im Quickcheck erwähnt die Binder+Co AG. Die Vorgangsweise bei der Analyse wird grundsätzlich gleich sein, wie jene bei der SBO AG, die vor kurzem hier abgeschlossen wurde. Begonnen wird also mit der Beleuchtung einiger Aspekte des Geschäftsmodelles der Binder+Co.

Die Gesellschaft ist in der Planung, der Entwicklung, der Konstruktion und der Implementierung von Anlagen tätig, die für verschiedene Prozessschritte im Zusammenhang mit industriellen Schüttgütern aller Art eingesetzt werden. Der Begriff Schüttgut ist den treuen Lesern wahrscheinlich noch aus den Anmerkungen zum globalen Gütertransport zu Wasser in Erinnerung. Die Prozessschritte, die durch Gerätschaften von Binder+Co behandelt werden, sind Folgende:

  • Zerkleinern: Dieser Prozessschritt wird seit 2011 angeboten, seit man die italienische Comec-Binder S.r.l. übernommen hat.
  • Sieben: In der Siebtechnik ist man mit dem direkt von Binder+Co angebotenen Produkt Bivitec Marktführer und bietet effiziente Lösungen vor allem für schwer siebbares Material an, das z.B. sonst die Siebe verklebt.
  • Nass aufbereiten: Mit dem Produkt Sandexx hat man einen Sandfang im Portfolio, der zum Beispiel zur Entwässerung von nassem Sand eingesetzt werden kann. Außerdem hat man für diesen Prozess Schöpfräder, Schwertwäscheanlagen und auch Entwässerungssiebe im Angebot.
  • Thermisch aufbereiten: Hier bietet man mit Dryon eine Lösung zur Trocknung und Kühlung von verschiedenen Materialien sowie über die Tochter Bublon GmbH ein Verfahren zur Herstellung eines natürlichen Dämmstoffes
  • Sortieren: Das Sortiersystem Clarity ist weltmarktführend in der Sortierung von Glas nach Farben mit optischen Sensoren. Diese Technik wird nach und nach auch für Kunst- und Mineralstoffe etabliert.
  • Verpacken: Für diesen Prozess hat man Anlagen über die 50,7%-Tochter Statec-Binder GmbH im Angebot. Diese Produkte erlauben die Verpackung von Gütern in Säcken innerhalb kürzester Zeit (bis zu 1.600 Säcke pro Stunde) und die anschließende Palettierung.

Es werden also für viele wichtige Prozesse in der industriellen Verarbeitung von Schüttgütern Maschinen geboten. Diese werden entweder als Einzelmaschinen oder als individuell kombinierbare Komplettlösungen verkauft. Angabegemäß ist man bei allen Anlagen, wo man nicht Weltmarktführer ist, unter den Top-Drei-Anbietern. Jährlich verkauft man ca. 500 solcher Maschinen. Der After-Sales-Bereich mit Wartung und Ersatzteilen zeichnet für ca. 1 Fünftel der Umsätze verantwortlich.

Diese Angebote werden zusammengeführt und bilden so die konzerninternen Berichtssegmente Aufbereitungstechnik, Umwelttechnik und Verpackungstechnik. Vom Umsatzanteil her ist die Aufbereitungstechnik das größte Segment mit ungefähr der Hälfte des Gesamtumsatzes, die anderen beiden Segmente sind ungefähr für jeweils ein Viertel des Gesamtumsatzes verantwortlich. Es werden viele verschiedene Branchen beliefert, so zum Beispiel der Bergbau, die Eisen- und Stahlindustrie, die Baustoffindustrie, die Steine- und Erdenindustrie, die Recyclingindustrie, Glashütten, die Petrochemie, die Düngemittelindustrie, oder auch die Saatgut-, Lebensmittel- und Futtermittelindustrie. Ich habe bereits im Quickcheck die laienhafte Vermutung geäußert, dass gerade im Erz- und Kohleabbau und in der Stahlindustrie wahrscheinlich derzeit Absatzprobleme bestehen könnten.

Der Absatz des Konzerns nach geographischen Merkmalen ist äußerst international, lediglich etwas mehr als 5% des Umsatzes wird in Österreich gemacht. Die wichtigsten Kernmärkte bzw. Regionen sind Westeuropa (exklusive Ö) mit 42,8%, Asien/Australien mit 26,1%, aber auch Afrika mit knapp 10% und Amerika mit 8,5%. Produktionsniederlassungen hat man selbst in Gleisdorf in Österreich, wo die Konzernzentrale liegt, in Italien nähe Treviso und seit 2013 in China in der Region Tianjin. Es wird aber versucht, den absoluten Großteil der Geschäfte in Euro abzuwickeln, weshalb man kein nennenswertes unmittelbares Fremdwährungsrisiko in der Bilanz hat. Indirekt (d.h. durch absinkende Kaufkraft währungsfremder Kunden) hat man das natürlich trotzdem.

Zum Abschluss dieses Artikels möchte ich wieder eine oberflächliche Porter-Analyse wagen:

  • Rivalität unter bestehenden Wettbewerbern: Bei solchen Nebenwerten ist es schwierig, einen oder gar mehrere direkt vergleichbare Peers mit ordentlichem Zahlenmaterial zu finden. Da die Gesellschaft aber selbst im Geschäftsbericht davon schreibt, dass man in einem sehr wettbewerbsintensiven Umfeld tätig ist, glaube ich ihnen das einfach mal. Die verhältnismäßig niedrigen Margen in den letzten 6 Jahren, die sich seit 2013 noch weiter abgeschwächt haben und 2014 bei 3% return on sales, 5% EBIT-Marge und 8% EBITDA-Marge lagen, untermauern das.
  • Bedrohung durch neue Anbieter: Angesichts der geringen Margen und Rentabilitätskennzahlen schätze ich diese im Moment als eher gering ein. Sobald die Nachfrage aber anzieht, könnte das durchaus ein Feld sein, wo sich neue Anbieter positionieren wollen und das in gewissen Teilbereichen wahrscheinlich auch ohne größeren Kapitalaufwand können.
  • Preissetzungsmacht auf der Beschaffungsseite: Der größte Kostenbrocken sind die Materialaufwendungen mit ca. 50% des Umsatzes und die Personalaufwendungen mit 28% des Umsatzes. Beim Material werden vor allem Stahlbauteile, verschiedene Maschinenbaukomponenten usw. beschafft. Hier weiß ich noch zu wenig über den Produktionsprozess, um eine Einschätzung zu treffen. Tendenziell sehe ich aber keinen großen Hebel bei der Binder+Co, man wird hier eher den Stahlpreisentwicklungen und ähnlichen Facetten voll ausgeliefert sein. Beim Personal sehe ich die Situation ähnlich wie bei SBO: bei Schlüsselpersonal im Vertrieb, in der Produktion und in der Konstruktion ist der Hebel beim Personal, bei allgemeineren Fertigungsprozessen und im allgemeinen Back-Office wahrscheinlich eher beim Unternehmen.
  • Preissetzungsmacht auf der Absatzseite: Die ist meines Erachtens nicht übermäßig vorhanden. Das Geschäft ist – vor allem bei großvolumigen Systemaufträgen – offenbar sehr margenschwach. Dafür kann im After-Sales etwas besser verdient werden. Man wird aber hauptsächlich für sehr mächtige Industrie- und Rohstoffkonzerne tätig werden, wo die Preissetzungsmacht eher auf der Kundenseite liegen dürfte.
  • Bedrohung durch Ersatzprodukte: Hier kann ich – nicht zuletzt noch durch mangelnde Branchen- und Marktkenntnisse bedingt – nichts erkennen, was als Substitutionsgefahr eingestuft werden könnte.

Angesichts dieser ersten Beurteilung stufe ich die Wettbewerbssituation der Binder+Co als eher schlecht bis mittelmäßig ein. Man wird sich mit ziemlich vielen Konkurrenten herumschlagen, es wird ständigen Preisdruck auf der Absatzseite geben und ziemlich deutliche Auslieferung gegenüber den Einkaufspreisen auf der Beschaffungsseite bestehen, die man nur durch etwas Flexibilität beim Personal teilweise ausgleichen kann.

Weitere interessante Themen im Bargain Magazine:

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Eine vollständige Analyse der Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment AG

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Verwendete Quellen:

http://www.binder-co.com/de/produkte/produkte.php (Produktpalette des Unternehmens)

http://www.binder-co.com/de/investors/finanzb_geschaeftsberichte.php (Download-Center für die Geschäftsberichte)

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(27.08.2015)

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Akt. Indikation:  30.35 / 30.65
Uhrzeit:  13:04:40
Veränderung zu letztem SK:  0.16%
Letzter SK:  30.45 ( 0.83%)



 

Bildnachweis

1. Binder+Co Geschäftsbericht 2013 - http://boerse-social.com/financebooks/show/binderco_geschaftsbericht_2013   >> Öffnen auf photaq.com

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    Der Absatz des Konzerns nach geographischen Merkmalen ist äußerst international, lediglich etwas mehr als 5% des Umsatzes wird in Österreich gemacht. Die wichtigsten Kernmärkte bzw. Regionen sind Westeuropa (exklusive Ö) mit 42,8%, Asien/Australien mit 26,1%, aber auch Afrika mit knapp 10% und Amerika mit 8,5%. Produktionsniederlassungen hat man selbst in Gleisdorf in Österreich, wo die Konzernzentrale liegt, in Italien nähe Treviso und seit 2013 in China in der Region Tianjin. Es wird aber versucht, den absoluten Großteil der Geschäfte in Euro abzuwickeln, weshalb man kein nennenswertes unmittelbares Fremdwährungsrisiko in der Bilanz hat. Indirekt (d.h. durch absinkende Kaufkraft währungsfremder Kunden) hat man das natürlich trotzdem.

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    • Rivalität unter bestehenden Wettbewerbern: Bei solchen Nebenwerten ist es schwierig, einen oder gar mehrere direkt vergleichbare Peers mit ordentlichem Zahlenmaterial zu finden. Da die Gesellschaft aber selbst im Geschäftsbericht davon schreibt, dass man in einem sehr wettbewerbsintensiven Umfeld tätig ist, glaube ich ihnen das einfach mal. Die verhältnismäßig niedrigen Margen in den letzten 6 Jahren, die sich seit 2013 noch weiter abgeschwächt haben und 2014 bei 3% return on sales, 5% EBIT-Marge und 8% EBITDA-Marge lagen, untermauern das.
    • Bedrohung durch neue Anbieter: Angesichts der geringen Margen und Rentabilitätskennzahlen schätze ich diese im Moment als eher gering ein. Sobald die Nachfrage aber anzieht, könnte das durchaus ein Feld sein, wo sich neue Anbieter positionieren wollen und das in gewissen Teilbereichen wahrscheinlich auch ohne größeren Kapitalaufwand können.
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