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Durchschnittsrenter bekommt 1.300 Euro brutto (Tim Schäfer)

Autor:
Tim Schäfer

Der Journalist Tim Schäfer pendelt seit dem Frühjahr 2006 zwischen New York und Deutschland. Wöchentlich berichtet er über die Geschehnisse an der Wall Street für Euro am Sonntag, eine der führenden deutschen Wirtschaftspublikationen. Darüber hinaus schreibt er für Magazine wie Der Aktionär oder die Börsenbriefe Prior Global und Prior Gold.

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21.05.2016, 8179 Zeichen

Es ist eine Blamage für die Bundesregierung. Die Fraktion „Die Linke“ hat die Regierung gefragt, wie viel Rente ein Durchschnittsverdiener nach 45 Jahren Beitragsjahren erhält. Es sind ganze 1.300 Euro Rente. Ein Witz! Dagegen erhält ein Lehrer 3.000 Euro Pension. Ein Berufssoldat kommt auf 2.900 Euro. Ich finde: Die Pensionen sind fair. Die Renten der Arbeitnehmer sind lausig und damit unfair in meinen Augen.

Was wir haben, ist ein Rentensystem, das die Arbeitnehmer schlechter stellt. Ich bin daher für eine Stärkung der gesetzlichen Rente. Aber was macht Berlin? Das Gegenteil: Sie kürzen das Leitungsniveau der gesetzlichen Rente weiter. Es ist ein Wahnsinn, was unsere Bundesregierung anstellt. Das Wort „Politiker“ ist für mich mittlerweile ein Schimpfwort. Manch ein Politiker wird über die Altersarmut denken: „Ist mir doch völlig egal. Ich bekomme genug Pension. Das passt.“

Ich finde gut, dass „Die Linke“ den Finger in die Wunde legt, wobei ich mit deren Wahlprogramm natürlich nicht in allen Punkten übereinstimme. Die gesetzliche Rente muss dringend erhöht werden. Warum? Ich stehe auf der Seite der vielen Bürger, die es im Alter schwer haben werden, um über die Runde zu kommen. Mir tun diese Menschen unglaublich leid.

Wobei es natürlich Lebemänner gibt, die gut verdienen und alles verpulvern. Die tun mir nicht leid. Da denke ich: „Selbst schuld“.

Absolut doof sind jene, die den Lotto-Jackpot gewinnen und all das Geld binnen eines Jahres verballern. Die Millionen sind dann weg. Ich denke oft darüber nach, wie dumm diese „Glücklichen“ sind. Dümmer geht kaum, oder?

Es ist doch so einfach. Wer die Millionen gewinnt, muss nur Folgendes machen: Sie kaufen sich ein solides Haus mit Cash (das Haus sollte nicht zu teuer sein). Sie legen den Rest des Lottogewinns in solide Dividendenzahler an. Zudem halten Sie einen ausreichenden Festgeldbestand bereit. Sagen wir 20.000 Euro. Das wars! Dann können Sie in Ruhe das Leben genießen. Sie müssen nicht mal arbeiten. Sicherlich können Sie arbeiten, wenn Sie mögen. Sie haben mit der finanziellen Unabhängigkeit die freie Wahl zu tun, was Sie wollen. Das ist großartig.

Aber was Sie als Lottogewinner nicht machen dürfen: Mit dem ganzen Luxus-Kram anfangen. Sie sollten eben keine dicken Autos, große Villen, teure Kleidung, Luxusreisen kaufen. Besser fangen Sie erst gar nicht mit dem Luxus-Kram an. Denn dann gehen Sie schneller pleite, als Sie sich ausmalen können.

Kommen wir zurück zu den Arbeitnehmern und der lausigen Rente. Was können Sie machen? Hart arbeiten, sparsam leben, motiviert sein, anderen helfen, weiterbilden, lesen. Sie kennen ja bestimmt das Sprichwort: Das Glück ist mit den Tüchtigen. Das stimmt. Ich bin froh, dass mir meine Eltern Sparsamkeit und das engagierte Arbeiten schon als Kind eingetrichtert haben.

Ich halte das langfristige Aktiensparen für die Lösung für das Rentenproblem. Im Idealfall kaufen Eltern an dem Tag, an dem das Baby zur Welt kommt, einen S&P-500-Indexfonds für 1.000, 5.000 oder 10.000 Euro. Damit wären viele finanziellen Probleme des Nachwuchses gelöst.

Wenn Sie das mit dem Indexfonds zur Geburt verpasst haben, können Sie das nachholen. Wenn Ihr Kind, sagen wir, 14 Jahre alt wird, schenken Sie ihm ein Aktiendepot zum Geburtstag. Das Kind soll mit Ihnen entscheiden, welche Aktien gekauft werden und wie viel Geld es einzahlen möchte. Wenn Sie das gut erklären, wird Ihr Nachwuchs das mögen. Das Geld ist dort besser aufgehoben, als in zusätzliche Spielsachen, von denen gibt es zu viele. Am Spielzeug verlieren die Kids eh schnell das Interesse.

Kinder sollen verstehen, was übertriebener Konsum für Folgen haben kann. Schulden sind ein Ausdruck eines falschen Anspruchsdenkens. Lebemenschen geben schnell 1.000 Euro aus. Dafür nehmen sie Schulden auf. Das führt dazu, dass die Kosten des Konsums steigen (Zinsen). Und die Wünsche immer größer werden.

Schuldenfrei zu sein ist ein großartiges Gefühl. Es ist ein Gefühl frei zu sein. Im Endeffekt geht es doch nur darum: Arbeiten, anstrengen. Und den Lebensstil nicht ausschweifen lassen.

Nehmen Sie Thomas C. Davis. Er residiert in Dallas in Texas. Der 67-järhige war Investmentbanker. Er war Chairman von Dean Foods, der größte Milchproduzent in Amerika. Er lebte auf großem Fuss. Seine Kosten liefen aus dem Ruder. Er nahm Schulden auf. Um seine finanziellen Probleme in den Griff zu bekommen, ging er ins Kasino nach Las Vegas zocken. Das verschlimmerte seine Situation. Er verlor noch mehr Geld. Die Schulden wuchsen ihm über den Kopf.

Davis sah einen Ausweg aus dem Schuldendilemma: Als Aufsichtsratschef gab Insidertipps an seinen Freund William Walters. Walters handelte die Dean-Foods-Aktie mehrmals, nachdem er illegal Insiderinformationen von seinem Freund erhalten hatte. Der Staatsanwalt kam beiden auf die Schliche. Jetzt kommen zu den Schulden vermutlich noch Gefängnisstrafen (PDF) hinzu. Der Fall zeigt: Man muss einfach seinen Lebensstil im Griff haben. Wer das nicht kann, der kann in Teufels Küche kommen.

Es ist im Endeffekt alles eine Frage der Einstellung. Wenn man keinen Weg aus der Misere sieht, findet man keinen. Davis hätte einen Ausweg finden können: Hart arbeiten. Ehrlich sein. Kosten in den Griff bekommen. Er hätte sich ausmalen können, wie sein Leben mit weniger Schulden sein könnte. Er hätte an seine Familie denken sollen. Kleineres Haus, kleines Auto, weniger Kosten.

Für den „normalen Konsumenten“ gilt genau das gleiche. Finanzielle Freiheit ist möglich, wenn Sie es erreichen wollen. Behalten Sie Ihre Ausgaben im Blick. Wenn Sie Kosten sparen, ist das wertvoller als ein Bonus vom Chef, denn die Einsparung ist steuerfrei und womöglich dauerhaft.

Kleinerer Handy-Vertrag, kleineres Auto, kleineres Zuhause. Es gibt immer Lösungen. Sie müssen es nur wollen.

Wir haben alle Wahlmöglichkeiten. Jeden Tag. Leben Sie innerhalb Ihrer Verhältnisse. Ich finde, Konsumschulden sind keine gute Wahl. Denn so kann ein Teufelskreis der Schuldenaufnahme beginnen – wie der tiefe Fall des Investmentbankers und Aufsichtsrats Davis zeigt. Ich finde, der Absturz von Ex-Karstadt-Chef Thomas Middelhoff hat viele Parallelen: Helikopterflüge, Yacht, Charterjets, VillenPiaget-Uhr… Übrigens wird das Leben von Middelhoff als Komödie verfilmt. Ein bekannter Filmemacher aus Köln arbeitet an dem Projekt.

Es ist der helle Wahnsinn, wie viele Menschen in Deutschland mit Konsumschulden leben. Diese Leute nutzen vielfach nicht ihren gesunden Menschenverstand. Schon der Kauf des Autos auf Pump ist ein Irrweg. Die Leute bilden sich ein, sie hätten ein wunderschönes Auto „verdient“ – ohne das Geld dafür zu haben.

Wer seine Schulden komplett tilgt, ist gedanklich frei. Dann haben Sie Ihr Leben im Griff. Der Schlüssel zum finanziellen Erfolg ist das Anspruchsdenken. Fahren Sie Ihre Ansprüche runter. Nicht rauf. Denn zu große Wünsche führen Sie letztendlich ins Elend.

Es geht um das Setzen von Prioritäten. Lernen Sie zum Beispiel sparsam einzukaufen. Sie brauchen nicht von allem immer das Neueste und Beste. Seien Sie emotional stabil. Gehen Sie arbeiten. Sparen und investieren Sie. Bringen Sie den Schneeball (Ersparte) per Indexfonds oder Aktien ins Rollen.

Bringen Sie den Schneeball ins Rollen. Es ist mühsam. Aber irgendwann beginnt er dank des Zinseszinses zu wachsen.

Investieren führt mit der Zeit zum Wohlstand. Es erfordert eben Disziplin. Machen Sie sich über das Auf und Ab an der Böre keine Sorgen. Niemand weiß, wohin die Börse kurzfristig laufen wird. All das Gerede im Börsenfernsehen ist Quatsch. Wenn all die Aktien-Wahrsager im TV wüssten, wohin die Börse tatsächlich laufen würde, wären die längst alle reich in Rente gegangen. Ich halte die Börsen-Wahrsager für TV-Clowns.

Machen Sie nicht den Fehler, schnell reich werden zu wollen. Das geht meist schief. Lieber langsam. Schritt für Schritt. Seien Sie schlau. Setzen Sie sich Ziele. Ändern Sie Ihr Anspruchsdenken.

Fazit: Bodenständig zu bleiben, zahlt sich im Leben aus.

PS: Wenn Sie Ihren ausufernden Konsum in den Griff bekommen wollen, dann empfehle ich Ihnen dieses Buch: Mehr vom Geld: Finanzielle Ziele erreichen durch erfolgreiches Geldmanagement im Alltag.

Im Original hier erschienen: Durchschnittsrenter bekommt 1.300 Euro brutto


(21.05.2016)

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    Es ist eine Blamage für die Bundesregierung. Die Fraktion „Die Linke“ hat die Regierung gefragt, wie viel Rente ein Durchschnittsverdiener nach 45 Jahren Beitragsjahren erhält. Es sind ganze 1.300 Euro Rente. Ein Witz! Dagegen erhält ein Lehrer 3.000 Euro Pension. Ein Berufssoldat kommt auf 2.900 Euro. Ich finde: Die Pensionen sind fair. Die Renten der Arbeitnehmer sind lausig und damit unfair in meinen Augen.

    Was wir haben, ist ein Rentensystem, das die Arbeitnehmer schlechter stellt. Ich bin daher für eine Stärkung der gesetzlichen Rente. Aber was macht Berlin? Das Gegenteil: Sie kürzen das Leitungsniveau der gesetzlichen Rente weiter. Es ist ein Wahnsinn, was unsere Bundesregierung anstellt. Das Wort „Politiker“ ist für mich mittlerweile ein Schimpfwort. Manch ein Politiker wird über die Altersarmut denken: „Ist mir doch völlig egal. Ich bekomme genug Pension. Das passt.“

    Ich finde gut, dass „Die Linke“ den Finger in die Wunde legt, wobei ich mit deren Wahlprogramm natürlich nicht in allen Punkten übereinstimme. Die gesetzliche Rente muss dringend erhöht werden. Warum? Ich stehe auf der Seite der vielen Bürger, die es im Alter schwer haben werden, um über die Runde zu kommen. Mir tun diese Menschen unglaublich leid.

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    Aber was Sie als Lottogewinner nicht machen dürfen: Mit dem ganzen Luxus-Kram anfangen. Sie sollten eben keine dicken Autos, große Villen, teure Kleidung, Luxusreisen kaufen. Besser fangen Sie erst gar nicht mit dem Luxus-Kram an. Denn dann gehen Sie schneller pleite, als Sie sich ausmalen können.

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    Ich halte das langfristige Aktiensparen für die Lösung für das Rentenproblem. Im Idealfall kaufen Eltern an dem Tag, an dem das Baby zur Welt kommt, einen S&P-500-Indexfonds für 1.000, 5.000 oder 10.000 Euro. Damit wären viele finanziellen Probleme des Nachwuchses gelöst.

    Wenn Sie das mit dem Indexfonds zur Geburt verpasst haben, können Sie das nachholen. Wenn Ihr Kind, sagen wir, 14 Jahre alt wird, schenken Sie ihm ein Aktiendepot zum Geburtstag. Das Kind soll mit Ihnen entscheiden, welche Aktien gekauft werden und wie viel Geld es einzahlen möchte. Wenn Sie das gut erklären, wird Ihr Nachwuchs das mögen. Das Geld ist dort besser aufgehoben, als in zusätzliche Spielsachen, von denen gibt es zu viele. Am Spielzeug verlieren die Kids eh schnell das Interesse.

    Kinder sollen verstehen, was übertriebener Konsum für Folgen haben kann. Schulden sind ein Ausdruck eines falschen Anspruchsdenkens. Lebemenschen geben schnell 1.000 Euro aus. Dafür nehmen sie Schulden auf. Das führt dazu, dass die Kosten des Konsums steigen (Zinsen). Und die Wünsche immer größer werden.

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