02.01.2017, 5500 Zeichen
„Man muss kein netter Mensch sein, um die Konjunktur in Gang zu bringen.“ Mit dieser Feststellung beschrieb Kenneth Rogoff, angesehener Ãkonom und Professor an der Harvard University, den neuen US-Präsidenten Donald Trump. Ein Hinweis, den sich Anleger ganz grundsätzlich zu Herzen nehmen sollten. Basis jeder Geldanlageentscheidung sollte sein, die emotionale Wahrnehmung weitgehend zu reduzieren, um die Basis für reine rationale Entscheidungen zu schaffen. Jahreswechsel ist stets Prognosezeit – und nach einem Jahr 2016, in dem viele Erwartungen nicht eingetreten sind, könnte man den Sinn von Prognosen insgesamt in Frage stellen. Unsere Aufgabe ist aber nicht grundsätzlich die Prognose an sich. Unsere Aufgabe ist es Geldanlagestrategien zu entwickeln – und jede Positionierung ist eine Art Prognose. Auch wenn Sie keine Investmententscheidung treffen und im tiefverzinsten Sparbereich verharren, haben Sie implizit eine Prognose getroffen.
Gerade der Jahreswechsel kann eine Gelegenheit sein, die eigene Anlagestrategie zu hinterfragen. Bin ich ausreichend diversifiziert, bin ich global aufgestellt? Oder verharre ich etwa in Dauerangst vor dem nächsten, einmal mehr angeblich wichtigsten Ereignis und bin im Krisenmodus?
Der klare Blick
Trump, BREXIT, Italien-Abstimmung, dazu die Terror-Gefahr als ständiger Begleiter. Die Liste der Unsicherheiten ist lang. Die Liste der medial aufgebauten Horrorszenarien ebenso. Es fällt zunehmend schwer zu unterscheiden, was sachliche Information und was vorgefasste Meinung und reine Interessensvertretung ist. Das wird sich auch 2017 nicht ändern. Es werden wieder einzelne Ereignisse „zum einzig wichtigen Marktthema“ aufgebaut werden. Wie so oft in den vergangenen Jahren. Waren es 2016 BREXIT oder Trump, so wird es 2017 die Wahl in Frankreich sein. Oder ein Ereignis, das wir heute noch gar nicht kennen. Es geht nicht darum, mögliche Risiken zu verharmlosen, ganz im Gegenteil – nicht immer werden die Finanzmärkte so gelassen reagieren, wie sie es 2016 weitgehend getan haben.
Aber gerade zum Jahreswechsel sollten wir die emotionale Ebene zurückdrängen, um eine rationale Basis für Geldanlagestrategien zu haben. Wenn wir den hektischen Weltnachrichten-Ticker gemeinsam symbolisch für einige Stunden ausschalten, dann bleiben in der dann entstehenden Ruhe folgende Gedanken:
ï· Die Weltwirtschaft ist in den Jahren von 2012 bis 2016 stabil um jeweils etwa % gewachsen – allen Krisen zum Trotz.
ï· Die Weltwirtschaft wird auch 2017 aus heutiger Sicht um etwa 3% wachsen. Für global tätige Unternehmen ist also weiterhin ein solides Umfeld vorhanden.
ï· Das Wachstum der EURO-Zone wird auch 2017 bei etwa der Hälfte von jenem der Weltwirtschaft liegen. Dies ist nicht neu. Wachstumsraten von 1,5% sollten aber endlich als neue Normalität verstanden und nicht dauernd als Krise bezeichnet werden.
ï· US-Präsidenten kommen und gehen, die Briten wollen den europäischen Staatenverbund verlassen. Davon unbeeindruckt gibt es aber mächtige Megatrends mit Investmentmöglichkeiten. Die Demografie, die Gesundheit, die Technologie mit allen Detailbereichen wie Digitalisierung oder Automatisierung. Oder auch die Urbanisierung. Immer mehr Menschen leben in Städten, was weitreichende Konsequenzen hat.
ï· Die EZB hat ein Inflationsziel von knapp 2% definiert und wird diesem im Jahr 2017 wohl näher kommen. Die Zinsen für kurze Bindungen werden aber nicht steigen. Auch 2017 wird daher die Inflationsrate über dem Sparzins liegen. Es wird das siebente Jahr in Folge sein, und es wird nicht das letzte sein. Es bleibt daher wichtig, sich mit Geldanlage zu beschäftigen.
ï· Die aufgeregten Kommentare über die in den vergangenen Wochen angeblich stattgefundene Zinswende sind zu relativieren. Der Anstieg der US-Renditen am langen Ende war deutlich. Aber: Zuletzt lagen auch bereits 2013 die 10-jährigen US-Staatsanleihen bei knapp unter 3% Rendite. Warum ist heute etwas „dramatisch“, was 2013 noch „normal“ war?
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Die Zinswende in der EURO-Zone liegt noch weit in der Zukunft. Trend-Ende? JA. Trend-Wende zu stetig steigenden Zinsen? NEIN. Der Tiefpunkt liegt aber hinter uns. Anleihekurse werden da und dort Gegenwind verspüren. Dennoch: Diese schrittweise Normalisierung sollten wir als gute Nachricht interpretieren. Minuszinsen und Negativrenditen auf breiter Front sind ein finanzpolitischer Irrweg, und kein wünschenswerter Dauerzustand.
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Einem schwierigen Zinsumfeld stehen attraktive Dividendenrenditen gegenüber. In Europa etwa im Schnitt 3%. Aktienmärkte sind in der absoluten Betrachtung nicht billig und nicht teuer, sind aber in der relativen Betrachtung zu anderen Vermögensklasse in einer soliden Ausgangsposition.
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ï· Gold und Rohstoffe bleiben attraktive Beimischungen. Ersteres ist derzeit weniger gesucht, was vorerst noch so bleiben wird. Zweiteres ist derzeit mehr gesucht. Vieles an Konjunkturhoffnung erscheint aber schon eingepreist. Wir sollten beide Asset-Klassen daher im Blick behalten, da Trends auch rasch drehen können.
Fahren Sie auf Sicht
Damit sind wesentliche Leitplanken für eine ausgewogene Anlagestrategie definiert – jeweils abgestimmt auf Ihre individuellen Verhältnisse. So wie jedes Jahr wird es auch im kommenden Jahresverlauf Irritationen geben, neue Erkenntnisse und überraschende Entwicklungen. Es ist professionelle Pflicht und kein Zeichen von Schwäche, auch einmal eine Meinung zu ändern und die Depotstruktur anzupassen. Unser Motto: Fahren Sie auf Sicht. Aber fahren Sie.
Börsepeople im Podcast S23/14: Philipp Vorndran
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