08.08.2018, 3655 Zeichen
Bis vor wenigen Tagen schien die Welt für Baidu noch in Ordnung zu sein. Das chinesische Internetunternehmen profitierte vom starken Wachstum des chinesischen Marktes und musste sich keine Gedanken um die übermächtig scheinende Google -Konkurrenz machen. Doch dies hat sich nun geändert.
Am 5. Juni verkündete Baidu, dass die Zahl der täglichen Nutzer seiner App, die sowohl die Internetsuche als auch personalisierte Nachrichten ermöglicht, die Marke von 150 Millionen überschritten hat. Ein wichtiger Meilenstein. Doch damit ist das Unternehmen noch längst nicht am Ziel angelangt. China hat die größte Bevölkerung der Welt und die größte Zahl an Internetnutzern. Die Wirtschaft boomt weiter. Gute Voraussetzungen also für das Unternehmen, das in dem Land die Internetsuche beherrscht, auch in Zukunft stark zu wachsen. Zumal man sich bisher nicht der Konkurrenz des weltweiten Marktführers Google ausgesetzt sah. Doch dies könnte sich ändern.
Am 1. August berichtete das US-Portal „The Intercept“, dass die Google-Muttergesellschaft Alphabet eine Suchmaschine in China auf den Markt bringen möchte, nachdem sich das Unternehmen vor Jahren aus dem Markt zurückgezogen hatte. Demnach soll das Projekt den Codenamen „Dragonfly“ (Libelle) tragen. Der Start könnte in den kommenden sechs bis neun Monaten erfolgen. Diese Nachricht gefiel Baidu-Anlegern überhaupt nicht. Die Medienberichte rund um eine mögliche Rückkehr Googles nach China brachten den Aktienkurs zuletzt ordentlich unter Druck, obwohl das Unternehmen in etwa zur gleichen Zeit mit positiven Quartalsergebnissen aufwarten konnte. Demnach setzte Baidu seinen Wachstumskurs im Juni-Quartal fort.
Laut Unternehmensangaben vom 31. Juli kletterten die Umsatzerlöse im Vorjahresvergleich um 32 Prozent auf 26,0 Mrd. Yuan (umgerechnet 3,3 Mrd. Euro). Rund 77 Prozent der Erlöse wurden mithilfe mobiler Geräte wie Smartphones erzielt. Der um Einmaleffekte bereinigte operative Gewinn stieg um 31 Prozent auf 6,5 Mrd. Yuan. Das Wachstum wurde einmal mehr von der zunehmenden Konzentration auf das Thema Künstliche Intelligenz und andere Kernbereiche angekurbelt. Gleichzeitig werden weiterhin Bereiche abgestoßen, die nicht zum Kerngeschäft gezählt werden. Auch für das laufende dritte Geschäftsquartal wird mit Zuwächsen gerechnet. Bereinigt um Anteilsverkäufe sollen die Umsätze laut Unternehmensprognose um 26 bis 33 Prozent zulegen.
Zusätzlich zu den positiven Wachstumsaussichten kann Baidu derzeit auch mit einem Aktienrückkaufprogramm punkten. Am 27. Juni wurde angekündigt, in den kommenden zwölf Monaten eigene Aktien im Wert von bis zu 1 Mrd. US-Dollar zurückzukaufen. Sollte jedoch tatsächlich Google Baidu auf dem chinesischen Markt Konkurrenz machen, müsste dieses Programm möglicherweise aufgestockt werden, um die Anteilseigner zu beruhigen. Gleichzeitig zeigen die Anlegereaktionen auf die Medienberichte rund um eine mögliche Rückkehr Googles auf den chinesischen Markt, dass Investoren vielleicht nicht vollkommen von den Wachstumsaussichten von Baidu überzeugt sind. Andernfalls hätten sie lockerer auf neue Konkurrenz für den heimischen Marktführer reagieren können.
Spekulative Anleger, die steigende Kurse der Baidu-Aktie erwarten, könnten mit einem klassischen Optionsschein Call der Deutschen Bank (WKN DS1E5Q, Laufzeit bis zum 12.06.2019) auf ein solches Szenario setzen. Der Hebel dieses Optionsscheins liegt derzeit bei 17,03. Wer aber als spekulativer Anleger eher short-orientiert ist, könnte mit einem klassischen Optionsschein Put der Deutschen Bank (WKN DM73YQ, aktueller Hebel 10,75; Laufzeit bis zum 12.06.2019) auf fallende Kurse der Baidu-Aktie setzen.
Stand: 07.08.2018
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