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Sanochemia: Schade, dass das Schlimmstmögliche eingetreten ist (Günter Luntsch)

Bild: © Michaela Mejta, photaq.com , Günter Luntsch (BSN)

18.12.2019, 3744 Zeichen

Sanochemia - die Dimension. Laut den Bewertungen auf Kununu ist Sanochemia ein guter Arbeitgeber, insbesondere mit dem neuen Chef hat man Hoffnung geschöpft. Aktuell schreibt Sanochemia zwei Stellen aus: seit 5.12.19 "Mitarbeiter für Mikrobiologische Qualitätskontrolle: Durchführung von mikrobiologischen Reinheitskontrollen (u.a. BET-Tests, Keimzahlprüfungen, Sterilitätsprüfungen), Instandhaltung und Wartung der Geräte und Räumlichkeiten des mikrobiologischen Labors, Übernahme von Prüfmustern, Eingangskontrolle von Rohmaterialien, Monitoring des Laborbereichs, Durchführungen von Validierungen mikrobiologischer Prüfmethoden, Qualifizierung von Geräten, GMP-gerechte Dokumentation aller Tätigkeiten, Verfassen von Trendanalysen, Erstellen von Protokollen und Berichten, Einhaltung der gesetzlichen und internen GMP- und Qualitätssicherungs-Vorschriften" und seit 9.12.19 "Chemielabortechniker in der Qualitätskontrolle: Durchführung und Dokumentation von Analytik gemäß GMP-Richtlinien (nasschemische Prüfungen, instrumentelle Analysen, z.B.: HPLC und GC Analysen, IR, UV, AAS, Titration), Qualifizierung, Wartung und Kalibrierung von Analysegeräten, Kontaktpflege zu Lieferanten, Mitwirkung bei der Verifizierung und Validierung von analytischen Methoden, bzw. Prozessvalidierungen, Datentrenderfassung, Erstellung und Revision von Analysenvorschriften und SOPs, Aktive Mitwirkung bei der Verbesserung der bestehenden Qualitätssysteme".

Ja, die Probleme mit dem Zertifikat waren bekannt, wir wussten, dass man vieles teuer fremdproduzieren lassen muss, dass man erhöhte Reinigungskosten hat usw., aber die Dimension überrascht. Am 30.9.18, also vor 1 Jahr und 2 1/2 Monaten, hatte das Unternehmen noch 54 Mio. Euro Aktiva und Verbindlichkeiten von 28 Mio. Euro, es war also netto etwa 26 Mio. Euro wert. 5 Mio. Euro wurden an neuem Kapital zugeführt, somit wären wir bei einem Wert von 31 Mio. Euro. Tatsächlich aber lese ich von einer Überschuldung in Höhe von 27 Mio. Euro: 22 Mio. Aktiva, 49 Mio. Verbindlichkeiten. Trotz Kapitalerhöhung hat also die Aktiva um 32 Mio. Euro abgenommen, während die Verbindlichkeiten um 21 Mio. Euro zugenommen haben. Es gab zwar am 23.10.19 eine unscheinbare Gewinnwarnung ohne Zahlen, aber haben wir tatsächlich seit 30.9.18 58 Mio. Euro verloren? Wie kann ein Unternehmen dieser Größe in kaum mehr als einem Jahr 58 Mio. Euro verlieren, zumal abgesehen von den GMP-Problemen keine größeren Katastrophen bekannt gemacht wurden?

Ich lese von "Schadenersatzforderungen". Aber in dieser Höhe? Wer ist dieser Gläubiger, der plötzlich und unerwartet eine so hohe Rechnung gestellt hat, die man akzeptieren hat müssen? Die Mitarbeiter sind auch Gläubiger, lese ich. Möglicherweise war das "Doppelte" (laufendes Gehalt plus Weihnachtsgeld) zuviel für Sanochemia. Dann ist natürlich eine Insolvenzeröffnung unvermeidlich. Achtung an die Dienstnehmer: Grundsätzlich geht das Dienstverhältnis weiter, der Insolvenzgeldausfallsfonds wird Euch das Geld nachzahlen. Einfach der Arbeit fernbleiben, das wäre nicht ratsam, Ihr könntet um Beendigungsansprüche umfallen. Abfertigungen alt und so wird auch der Insolvenzgeldausgleichsfonds bezahlen. Arbeitet also weiter, das Unternehmen ist noch nicht geschlossen, der Masseverwalter muss Euch alle einzeln kündigen.

Schade, dass das Schlimmstmögliche eingetreten ist: keine Eigenverwaltung! Somit müsste sich jetzt der Masseverwalter um das Pharmageschäft kümmern, von dem er wenig Ahnung hat, und wenn er gerade die wichtigste Person im Unternehmen einspart, z.B. die Reinigungskraft, die die Produktionsanlagen säubert, ist alles aus.
Sanochemia ( Akt. Indikation:  0,90 /1,19, -33,86%)

(Der Input von Günter Luntsch für den http://www.boerse-social.com/gabb vom 18.12.)


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Bildnachweis

1. Günter Luntsch (BSN) , (© Michaela Mejta, photaq.com )   >> Öffnen auf photaq.com

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