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Virtuelle a.o. Addiko-Bank-HV 10.7.2020: Alexander Proschofsky meldet Widerspruch an (Günter Luntsch)

Bild: © finanzmarktfoto/Martina Draper, Alexander Proschofsky, Christian Drastil

13.07.2020, 6583 Zeichen

Virtuelle a.o. Addiko-Bank-HV 10.7.2020 Kursverfall trotz hoher Analystenziele, Vorstandsrücktritt, ein Bekannter wollte die Aktie schon vor der a.o.HV "nicht einmal mit der Kneifzange" anfassen. Und nach der HV höre ich von einem Anleger, dass er jetzt besser wieder rausgeht, ein anderer hält die HV für "das Gegenteil von vertrauensbildend". Ehrlich gesagt, ich war auch ziemlich ernüchtert, mit welcher Vehemenz man die Beantwortung von Fragen verweigern kann, mit der Folge, dass die Außenstehenden unter den Aktionären sich die Geschichte selbst zusammenreimen müssen. Ich sage gerne: "Die HV ist die wichtigste Roadshow eines Unternehmens!", und sie ist auch die teuerste. Dass man hier sogar den eigenen Aktionären ein Mindestmaß an Information vorenthält, ist keine gute Werbung für das Unternehmen. Man ruht sich einfach auf dem guten Namen Hypo Alpe Adria aus, deren Balkangeschäft in dieser Bank gebündelt ist, und tut nichts zur Weiterentwicklung der Reputation. Obwohl die Bank sogar in Österreich aktiv um Sparkunden wirbt. Wenn AGs die Vorzüge der virtuellen HVs einzig darin sehen, dass man Aktionäre nach Belieben wegschalten kann, dann wird man nicht umhin kommen, diese virtuellen HVs wieder abzuschaffen.

Um 10:30 Uhr eröffnete ARV Hans-Hermann Lotter die HV mit Ausführungen zur Geschlechterquote im Aufsichtsrat. Derzeit habe man 1 Frau im Aufsichtsrat, es seien 2 Frauen nötig, es könne nur eine Frau gewählt werden, ohne dass gegen das Gesetz verstoßen werde. Das in Reaktion auf den Vorschlag des Aktionärs Christian Mache, Kurt Pribil in den Aufsichtsrat zu wählen. Um 11:10 Uhr wurde die Präsenz von 94 durch die 4 besonderen Stimmrechtsvertreter vertretenen Aktionären mit 13,859.146 Aktien verlesen. Aktionär Alexander Kozlik erbat von der DDM Invest III AG Information, "in welche Richtung das Boot segeln soll", Kleinaktionäre sollten nicht "im Finsteren gelassen" werden. Die a.o. HV koste Geld, das hätte man auf der ordentlichen HV machen können. Er fragte, ob DDM die AG filetieren wolle, und er ersuchte, die "aktuelle Intransparenz aufzuhellen". Seine Frage nach den Kosten der HV wurde sofort beantwortet: Es sei grob mit externen Kosten von 85.000 Euro zu rechnen, ohne die internen Kosten. Die Frage, wie es dem Geschäft gehe, wurde zurückgewiesen, der Aktionär möge die Frage auf der ordentlichen HV nochmals stellen. Die Fragen an DDM könnten ebenfalls nicht beantwortet werden.

Ein Aktionär fragte nach dem Sinn des "Herumschiebens" (Anm: mit Aktienpaketen). Auch diese Frage "kann nicht von Addiko beantwortet werden". Im NPL-Bereich gebe es einen externen Ausschreibungsprozess. Man sei in einem stark konsolidierten Markt, Geschäfte mit Related Parties könne man hier nicht ausschließen, die internen und externen Regularien würden eingehalten. Das Ausscheiden von Hermann-Josef Lamberti aus dem Aufsichtsrat sei wirklich aus persönlichen Gründen erfolgt. Eine Beantwortung der Frage, ob es einen Zusammenhang mit dem Vorstandsrücktritt gebe, sei zur sachgemäßen Beurteilung der Tagesordnungspunkte nicht erforderlich, sie werde daher nicht beantwortet. Meine Meinung: Die Aktionäre haben ein Recht darauf, einschätzen zu können, wer dem Unternehmen etwas Gutes tun will und wer nicht, nach Beantwortung dieser Frage hätten sich die Aktionäre eher eine Meinung bilden können, wessen AR-Kandidat(in) sie wählen sollen, die schnoddrige Antwort war also falsch. Aber wohl auch kontraproduktiv, die Aktionäre haben erkennen müssen, dass es besser sein wird, gegen die Vorschläge des Aufsichtsrats zu stimmen. Die Frage nach Zahlungen an das ausgeschiedene Vorstandsmitglied werde ebenfalls nicht beantwortet, erfuhren wir, es stehe dem Aktionär frei, diese Frage auf der ordentlichen HV nochmals zu stellen, sofern sie von einem Tagesordnungspunkt gedeckt sei.

Alexander Proschofsky stellte Fragen zum Investitionsvertrag laut Emissionsprospekt vom Juli 2019, von 156 Mio Erlös würden 17 Mio derzeitigen AR-Mitgliedern zugute kommen, weiters 8 Mio den Vorständen. Er meinte, das eigentliche Interesse sei ein hoher Emissionspreis gewesen. Die Fragen wurden nicht beantwortet. Proschofsky meldete hier bereits (Anm: im voraus, geht bei diesen virtuellen HVs nicht anders, man kann nicht abwarten, welches Abstimmungsergebnis herauskommt, sonst kommt der Widerspruch nicht mehr rechtzeitig an) zu allen Tagesordnungspunkten Widerspruch zu Protokoll an. Eine weitere Aktionärsfrage betraf die Art der AR-Kandidatensuche: Man habe 5 Kandidaten in der Longlist, 3 in der Shortlist gehabt, jeweils incl. 1 Frau, nur von Kurt Pribil habe man sich wegen der kurzen Zeit kein persönliches Bild machen können. Aus Vertraulichkeitsgründen könne man auf die Frage, wie innerhalb des Aufsichtsrats abgestimmt worden sei, keine Antwort geben. Bei Mendel wurde hinterfragt, ob er neben seinen Mandaten bei Heta, COVAG usw. überhaupt die Zeit habe, ein weiteres Mandat anzunehmen. Antwort: Die Verfügbarkeit werde von Michael Mendel sichergestellt. Proschofsky wurde noch einmal darauf hingewiesen, dass Addiko beim Investitionsvertrag nicht Partei sei. Um 12:01 Uhr wurde eine Pause bis 12:16 Uhr eingelegt, wo wir mit Addiko-Bank-Werbung in offenbar kroatischer Sprache bei Laune gehalten wurden (Anm: auch auf Youtube verfügbar). Um 12:23 Uhr erfuhren wir von einer nach der Deadline eingelangten Frage, die man aus Gründen der Fairness nicht mehr beantworten müsse. Proschofsky meinte, eine Zusatzfrage müsse möglich sein, weil sie sich erst bei der Fragenbeantwortung ergeben habe, der ARV blieb hart und entschied, die Frage nicht zu beantworten, er fühle sich im Recht. Um 12:38 Uhr wurde die Generaldebatte beendet. Um 12:45 Uhr gab es wieder eine offizielle Pause (Anm: Die eine ca. 10minütige Pause habe ich nicht mit eingerechnet, wo der ARV einfach gar nichts gesagt hat, ohne offiziell die Sitzung zu unterbrechen) bis 13 Uhr, in der man sicherstellen wollte, dass alle Weisungen der Aktionäre eingegeben und verarbeitet seien. Es zog sich hin. Und es war furchtbar langweilig, weil man eh wusste, dass man nichts Wichtiges erfahren wird. Spannend waren gerade die Abstimmungen, hier die Abstimmungsergebnisse: https://www.addiko.com/static/uploads/Addiko-Bank-AG-Voting-Results_eoGM-20200710-de-1.pdf (unter anderem Vergütungspolitik des Vorstands wurde abgelehnt, die AR-Kandidaten Michael Mendel und Andreas Turczka bekamen keine Mehrheit, in den Aufsichtsrat neu gewählt wurden Monika Wildner und Kurt Pribil).
Addiko Bank ( Akt. Indikation:  6,11 /6,34, 5,15%)

(Der Input von Günter Luntsch für den http://www.boerse-social.com/gabb vom 13.07.)


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