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„Ich bin ein Verfechter des mid market in Wien“ (Interview Stefan Pierer, KTM)

Bild: © photaq/Martina Draper, Stefan Pierer, Cross Industries AG

Autor:
Christian Drastil

Der Namensgeber des Blogs. Ich funktioniere nach dem Motto "Trial, Error & Learning". Mehrjährige Business Pläne passen einfach nicht zu mir. Zu schnell (ver)ändert sich die Welt, in der wir leben. Damit bin ich wohl nicht konzernkompatibel sondern lieber ein alter Jungunternehmer. Ein lupenreiner Digital Immigrant ohne auch nur einen Funken Programmier-Know-How, aber - wie manche sagen - vielleicht mit einem ausgeprägten Gespür für Geschäftsmodelle, die funktionieren. Der Versuch, Finanzmedien mit Sport, Musik und schrägen Ideen positiv aufzuladen, um Financial Literacy für ein grosses Publikum spannend zu machen, steht im Mittelpunkt. Diese Dinge sind mein Berufsleben und ich arbeite gerne. Der Blog soll u.a. zeigen, wie alles zusammenhängt und welches Bigger Picture angestrebt wird.
Christian Drastil

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08.03.2015, 6282 Zeichen

Stefan Pierer hat mit seiner Cross Industries Grosses vor, aber auch für den mid market nennt er zwei Verstärkungen: WP bringt er selbst, die Kollegen von Athos hat er zum Upgrade überredet. Aus dem Fachheft 30, im Fast Forward Modus hier bzw. zum Download hier .

Lieber Herr Pierer, im Talk bei unserem Business Athlete Award im Dezember haben Sie auch einige spannende Statements zum Wiener Kapitalmarkt abgegeben, da setze ich jetzt nach. Dieses Fachheft steht ja unter dem Motto ‚Mittelstand‘. Wie wichtig sind mittelständische Unternehmen für die Börse? Sie gelten als grosser Befürworter des mid market, nannten diesen ein Super-Entrance-Segment …

Stefan Pierer: Der mid market hat wie in der zweiten Fussball-Liga nicht ganz so strenge Corporate Governance-Richtlinien wie der Prime Market, ist aber ähnlich gut reguliert wie grosse Segmente vor 20 Jahren. Damit kann man sich für spätere höheren Aufgaben im Prime Market qualifizieren. Wir werden demnächst mit einem Unternehmen aus der Gruppe in den mid market gehen, mir gefällt das, ich bin ein Verfechter dieses Markts. Man kann da als Manager, vom Vorstand bis zum Marketing, viel lernen, man muss sich den Kapitalmarktanforderungen stellen. Damit hat man auch den nötigen Background, wenn man beispielsweise einmal eine Anleihe begeben will. Die Banken haben aufgrund ihrer Vorschriften und ihres Schrumpfungsprozesses künftig gar nicht mehr so sehr die Möglichkeit, dieser Aufgabe nachzukommen.

Zum mid market-Listing: Wenn ich mir die Cross-Gruppe ansehe, so haben Sie mit der Cross selbst Prime-Pläne, dazu frage ich später noch. KTM und Pankl sind bereits notiert, bleiben im Leichtbau Wethje, im High Performance-Segment die WP, dazu die Kiska. Spannende Unternehmen: Um wen geht es? Oder können Sie das jetzt noch nicht kommentieren?

Wir bereiten diese Schritte für die WP vor. Lassen Sie sich überraschen.

KTM ist Ende 1996 an die Börse gegangen. Kurz danach starten Easdaq, Neuer Markt, fit in Wien? Hätten die neuen Börsen bzw. Segmente Ihre Börseplatzwahl beeinflusst?

Nein. Wir waren damals, weil wir sehr international aufgestellt waren, als sportliche Herausforderung mit der KTM bewusst ohne Zwischenstufe unterwegs. Da war die erste Liga in Österreich notwendig, auch im Vergleich mit den Notizen aus der Branche wie Harley oder Honda.

Und die KTM wurde ja damals auch in den ATX aufgenommen.

Genau.

Bei Ihnen gab es in der Folge Delistings, kleinere und grössere neue Notizen, aber stets stand die Wiener Börse im Fokus, obwohl Ihre Unternehmen sehr international agieren. Warum ist die Heimatbörse im Zentrum?

Sie ist essenzieller Bestandteil. Ja, wir haben einen kleinen Markt in Österreich, aber ein österreichisches Unternehmen braucht auch den österreichischen Kapitalmarkt.

Sie sind ein bekannter österreichischer Unternehmer, fungieren auch als Business Angel. Kommt es vor, dass Unternehmer Sie fragen, ob sie sich mit Corporate Bonds oder sogar Equity an die Börse wagen sollen? Was raten Sie?

Das kommt vor, ich versuche auch in meinem Unternehmerkollegenbereich den mid market zu kommunizieren. Ein Beispiel: Eine bereits börsenotierte Linzer Immobiliengesellschaft, die Athos, bei der ich ja auch mitengagiert bin, habe ich davon überzeugt, in den mid market zu gehen; die Vorteile sind Continu-ous Trading und bessere Öffentlichkeit.

Wann könnte/wird die Athos im mid market starten?

Das könnte noch im März der Fall sein.

Im Dritten Markt gab es einen Wechsel von Inhaber- auf Namensaktien mit Ausnahmen für die Bestehenden. Sie sagten, der Markt sei Neulingen damit verwehrt. Was kann man machen?

Na es wäre ganz einfach und würde nichts kosten, wenn man das wieder umkehren könnte. Man braucht nur nach Deutschland zu schauen.

Stichwort Politik: Der Kapitalmarkt darf als Stiefkind bezeichnet werden wie kaum in einem anderen Land. Was können Unternehmer tun, um die Politik an Bord zu holen, damit im internationalen Vergleich zumindest ein wenig in puncto Kapitalmarktkultur aufgeholt werden kann. Was tun Sie persönlich? Sie kündigten an, mit dem Finanzminister …

… ja, wir haben schon Gespräche geführt. Fairerweise muss man sagen, dass er derzeit andere Aufgaben hat; er ist einer der wenigen, die bei dieser recht gefährlichen Steuerreform dagegenhalten. Er hat aber ein Commitment zum Kapitalmarkt abgegeben. Das macht mir Hoffnung. Wir sind überreguliert, und in den Medien wird der Kapitalmarkt gern leicht ins Kriminelle gerückt.

Liest man die Steuerreform-Diskussionen quer, so steht eine Erhöhung der KESt und wohl auch WP-KESt im Raum. Ihre Meinung dazu?

Die Aussage des Finanzministers ist, dass die Erhöhung nur dann funktioniert, wenn eine verfassungsmässige Änderung der Spitzensteuersatz-Koppelung kommt, das wird es aber nicht geben. Damit hofft er, dass 25 Prozent KESt bleiben. Aber was weiss man. Es könnte sein, dass es Dividenden voll erwischt.

Wie kann man den Privatanleger – wir liegen europaweit bei der Aktionärsquote nahe der ‚Roten Laterne‘ – wieder an Bord holen? Am 16. März macht Deutschland den Tag der Aktie.

Das ist in Österreich eine schwierige Aufgabenstellung. Unsere Grosse Koalition nennt Aktienbesitzer Spekulanten, da sind beide Parteien ganz vorn dabei. Mit diesem Mindset, mit dieser Verteilungsgerechtigkeitsdiskussion ist das Gift für den Markt. Investments in den heimischen Aktienmarkt wären dabei so sinnvoll. Es wird so viel Volksvermögen in sinnlose Bereiche investiert, schade, dass das nicht in die eigene Volkswirtschaft geht.

Die Wiener Börse hatte, gemessen am ATX, einen starken Jahresstart …

Man sieht bei den Immobilien schon, dass sich viel tut vonseiten internationaler Investoren, unter NAV ist man das klassische Übernahmeobjekt. Und insgesamt glaube ich schon, dass langsam wieder mehr internationales Institutionellen-Geld nach Österreich fliesst.

Sie haben rund um die Cross grosse Schritte in Richtung Prime Market angekündigt. Sind Sie ready?

Wir sind ready, müssen aber Formalvoraussetzungen und -fristen, z.B. HVs, schaffen und einhalten.

Abschliessend: Ihr Wunsch an die Wiener Börse?

Ich wünsche mir, dass man wieder so stark hinausgeht wie seinerzeit Stefan Zapotocky; der hat sich einen Blumenstrauss verdient.

Siehe auch „2014 war für die KTM ein Superjahr“ für das Fachheft 27 anlässlich des Business Athlete Award http://bit.ly/1IRXJNS

 


(08.03.2015)

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