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Warum Sie bei uns nichts zu Griechenland lesen (Ulrich W. Hanke)

Bild: © shutterstock.com/eigene Bilder, Griechenland, Fahne, zerfetzt, kaputt, ramponiert, schlecht, abwärts, http://www.shutterstock.com/de/pic-227438137/stock-photo-g...

Autor:
Ulrich W. Hanke

Börsenstratege und Herausgeber von www.boersianer.info - Hankes Börsenbrief

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21.06.2015, 3089 Zeichen

Ihr Anlegermagazin boersianer.info hat in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten so gut wie nie über Griechenland oder einen möglichen Grexit, einen EU-Austritt, berichtet − aus guten Gründen. 

Interessieren Sie sich als Käufer eines Autos für den Knopf an der Beifahrertür? Wohl eher nicht. Motor, Karosserie, Navi, Airbags sind da wichtiger und fallen auch mehr ins Gewicht. Fährt nun also Griechenland an die Wand und die Europäische Union, die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds ließen dies auch zu, ja dann, dann wären die kurzfristigen Verwerfungen an den Finanzmärkten sicher eine gute Kaufgelegenheit. Mehr nicht.

Griechenland steht für knapp zwei Prozent der Wirtschaft in der Eurozone, ist also der Knopf an der Beifahrertür. Daher haben wir bisher auch wenige Worte zum Thema Griechenland und Grexit verloren. Letzterer ist politisch nicht gewollt und wird daher auch sicher nicht kommen. Was wäre eine europäische Gemeinschaft auch ohne die Wiege Europas. Warum also darüber spekulieren, was wäre wenn? 

Käme der unwahrscheinlichere Fall eines Grexit, dann wäre dies 1.) nicht mehr so schlimm wie noch zu Zeiten der Finanzkrise, weil sich Geschäftsbanken als Schuldner der Griechen zurückgezogen haben. 2.) für als sichere geltende Währungen wie den Schweizer Franken oder auch Gold ein Treiber. 3.) für Aktien aus europäischen Peripherieländer im Nachgang gut, sind diese doch bislang mit Risikoabschlägen hinter denen anderer Staaten zurückgeblieben. 

Den Medien scheint es völlig egal zu sein, wie gewichtig Griechenland im Gesamtkontext ist und wie unwahrscheinlich ein Grexit ist. Rauf und runter wird munter über Griechenland berichtet und das bislang – so auch am Freitag – nur mit Wasserstandsmeldungen. Denn bisher hat sich noch nicht viel getan. Griechenland und die EU spielen beide auf Zeit. Eine Tragödie ist überall zu lesen... 

Sinnbild für die Anti-Nachrichten waren dann auch die Meldungen am Freitag, in Griechenland würde die Bürger die Banken stürmen und ihr Geld abheben. Das ist nämlich schon seit Monaten so, also alles andere als eine News, eine Nachricht, beides Synonyme für das Wort Neuigkeit. Alter, kalter Kaffee.  Da hätte ich lieber wieder aufgewärmt: eine Aktion einer großen deutschen Zeitung „Ich kaufe griechische Staatsanleihen.“ Eine seinerzeit dumme Idee und auch heute noch. 

Vergessen ist übrigens irgendwie auch schon wieder die Gefahr eines Brexit. Nach wie vor ruft der Markt stattdessen auf, europäische Aktien und japanische zu favorisieren – das haben wir auch schon gemacht – und nicht völlig neu, sind nun auch zyklische Titel die Kuh, die durchs Dorf getrieben wird. Übrigens über Gold, Goldminenaktien oder Kupfer und entsprechende Bergbaugesellschaften redet niemand – wenn das kein guter Kontraindikator ist. Wir wollen uns nun mehr mit Rohstofftiteln beschäftigen und natürlich weiterhin mit Blue Chips und cleveren Anlagestrategien – dazu stehen wir und dafür stehen wir.

Ihr Ulrich W. Hanke, Chefredakteur boersianer.info http://www.boersianer.info 

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