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DAX Backtest – Die Gap Fade-Strategie (trading-treff.de, Christoph Scherbaum)

Autor:
Christoph Scherbaum

Die Börsenblogger ist das einfache und direkte Sprachrohr von Journalisten und deren Kollegen, die teils schon mit jahrzehntelanger Arbeits- und Börsenerfahrung aufwarten können. Auch als professionelle Marktteilnehmer. Letztlich sind wir alle Börsenfans. Aber wir vertreten in diesem Blog auch eine ganz simple Philosophie: Wir wollen unabhängig von irgendwelchen Analysten, Bankexperten oder Gurus schreiben, was wir zum aktuellen (Börsen-)Geschehen denken, was uns beschäftigt. Das kommt Ihnen, dem Leser, zu Gute.

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21.08.2017, 5207 Zeichen

Gaps -also die Lücken zwischen dem Schlusskurs des Vortages und dem Eröffnungskurs des aktuellen Tages- haben wohl schon immer das Interesse von Daytradern auf sich gezogen. Sehr häufig werden sie von Tradern in ihren Charts markiert. Sie fungieren dort als wichtiger Support- oder Resistance-Bereich oder sind Gegenstand eigenständiger Handelsstrategien. In diesem Artikel stelle ich Ihnen die Ergebnisse der klassischen Gap Fade-Strategie anhand des DAX (WKN: 846900 / ISIN: DE0008469008) vor.

Wenn Sie sich mit dem Thema Gaps im allgemeinen befassen wollen, empfehle ich Ihnen den Artikel von Andreas Mueller „Wird das GAP geschlossen?„.

Gaps – Die erste und beste Gelegenheit des Tages?

John F. Carter bezeichnete Gaps in seinem Buch „Das große Buch des Swing- & Daytradings“ als „die erste und beste Gelegenheit des Tages“. Dieses Buch erschien im Jahr 2005.

Carter stellte eine Statistik für den US-Leitindex DOW Jones für jeden einzelnen Wochentag auf und belegte, dass an jedem Tag eine überwiegende Wahrscheinlichkeit bestand, dass Gaps noch am gleichen Tag geschlossen werden.

Die dann vorgestellte Strategie ist simpel:

Aufgrund diese überwiegenden Wahrscheinlichkeit geht der Daytrader jeden Tag eine Position ein, die auf die Schließung dieses Gaps abzielt. Dabei wird eine bestehende Position geschlossen, wenn das Gap vollständig geschlossen ist. Als Stop Loss wird ein Abstand vom Einstandskurs in Größe des Gaps gewählt.

Zu erwähnen sei, dass Carter bei Gaps mit einer Größe von mehr als 50 Punkten im DOW Jones einen Stop Loss wählt, der die 1,5-fache Größe des Gaps beträgt. Diese Modifikation soll im Folgenden unberücksichtigt bleiben, da das CRV eines solchen Trades erheblich verschlechtert wird.

Parameter der Gap Fade-Strategie im Detail

Für den automatisierten Backtest stehen Daten bis zum 20.07.2015 bereit. Zwar reicht die Tick-History meiner Charting-Plattform wesentlich weiter zurück (bis 2010), sie ist allerdings nicht in X-Minuten-Perioden übertragbar. Eine saubere Einteilung in ganze Minuten ist aber erforderlich, da ansonsten der Schlusskurs um 17:45 Uhr und der Eröffnungskurs des nächsten Tages um 09:00 Uhr nicht sauber identifiziert werden kann.

Deshalb kann maximal der M15 im Backtest Verwendung finden. Es wird im Test angenommen, dass ein Gap dann existiert, wenn dies größer als fünf Punkte ist. Ist diese Voraussetzung erfüllt, wird eine Position eröffnet, die auf die Schließung des Gaps abzielt. Wurden bis 17:45 Uhr weder Ziel (der Gap-Close) noch Stop Loss erreicht, wird die Position ebenfalls geschlossen. Positionen werden also nicht über Nacht gehalten, so dass wir hier eine reine Daytrading-Strategie vorliegen haben. Es soll ein Startkapital von 100.000 Euro und der Einsatz jeweils eines DAX-Future mit einer Wertigkeit von 25 Euro pro Punkt angenommen werden.

Die Ergebnisse des Gap Fade-Strategie Backtests
Backtest Gap Fade-Strategie
Backtest auf Grundlage von XETRA-Close und -Open

Der automatisierte Backtest liefert ernüchternde Ergebnisse. Die klassische Gap-Strategie hat innerhalb von gut zwei Jahren einen Verlust von ziemlich genau 35% hervorgebracht. Seit dem 20.07.2015 bis zum heutigen Tag bringt es der DAX im Vergleich immerhin auf eine Performance von ca. +4%. Hier fällt auf, dass der der durchschnittliche Gewinn bei einem erfolgreichen Trade zwar größer ist als ein durchschnittlicher Verlust.
Doch die Trefferquote von nur rund 45% sorgt dafür, dass die Gesamtstrategie zu einem Verlierer wird. Dieser Wert steht auch in deutlichem Gegensatz zu den Wahrscheinlichkeiten von deutlich über 50%, die Carter im Jahr 2005 ermittelte.

Abwandlung der Gap Fade-Strategie

Es soll nun eine Abwandlung betrachtet werden, nämlich die Differenz zwischen Open und Close im FDAX, also zwischen 22:00 Uhr des Vortages und 08:00 Uhr des aktuellen Tages. Die übrigen Parameter bleiben gleich.

Backtest Gap Fade-Strategie
Backtest auf Grundlage von FDAX-Close und -Open

Auch die FDAX Gap Fade-Strategie führt in der Summe zu einem Verlust, der zwar geringer, aber nichtsdestotrotz mit über 23% erheblich ist.

Auffällig ist hier die Differenz zwischen dem größten Gewinn und dem größten Verlust, der die Gesamtperformance des Setups aber nicht zu retten vermag.

Fazit zur Gap Fade-Strategie

Die Gap Fade-Strategie -sowohl angewandt auf die XETRA- als auch auf die FDAX-Kurse- ist tatsächlich nicht „die erste und beste Gelegenheit“ des Tages. Sie ist vielmehr bei klassischer Anwendung ein Verlustbringer. Das Setup war in früheren Tagen eventuell erfolgreich, heutzutage erleben wir allerdings häufig Gaps, die eben nicht zügig geschlossen, sondern noch ausgebaut werden. Zwar bleiben diese Kurslücken in den meisten Fällen nicht ewig bestehen, allerdings ist eine Spekulation auf ihre Schließung oftmals nicht mit einem vernünftigen CRV möglich.

 

Weitere Anregungen und Tradingstrategien finden Sie hier und hier.

Bis zum nächsten Mal,

Ihr Thorsten Kock

 

Dieser Beitrag von Thorsten Kock wurde von trading-treff.de zur Verfügung gestellt. Dort gibt es Analysen, Wissen und Emotionen zum Trading.

Thorsten Kock hat sich auf Ausbruchshandel und Scalping unter Zuhilfenahme mechanischer Ein-/Ausstiegsregeln spezialisiert. Unter Verwendung klassischer Methoden der Charttechnik optimiert er diese ständig und lässt Sie hier daran teilhaben.

 

(21.08.2017)


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    Doch die Trefferquote von nur rund 45% sorgt dafür, dass die Gesamtstrategie zu einem Verlierer wird. Dieser Wert steht auch in deutlichem Gegensatz zu den Wahrscheinlichkeiten von deutlich über 50%, die Carter im Jahr 2005 ermittelte.

    Abwandlung der Gap Fade-Strategie

    Es soll nun eine Abwandlung betrachtet werden, nämlich die Differenz zwischen Open und Close im FDAX, also zwischen 22:00 Uhr des Vortages und 08:00 Uhr des aktuellen Tages. Die übrigen Parameter bleiben gleich.

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    Auffällig ist hier die Differenz zwischen dem größten Gewinn und dem größten Verlust, der die Gesamtperformance des Setups aber nicht zu retten vermag.

    Fazit zur Gap Fade-Strategie

    Die Gap Fade-Strategie -sowohl angewandt auf die XETRA- als auch auf die FDAX-Kurse- ist tatsächlich nicht „die erste und beste Gelegenheit“ des Tages. Sie ist vielmehr bei klassischer Anwendung ein Verlustbringer. Das Setup war in früheren Tagen eventuell erfolgreich, heutzutage erleben wir allerdings häufig Gaps, die eben nicht zügig geschlossen, sondern noch ausgebaut werden. Zwar bleiben diese Kurslücken in den meisten Fällen nicht ewig bestehen, allerdings ist eine Spekulation auf ihre Schließung oftmals nicht mit einem vernünftigen CRV möglich.

     

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