10.03.2026, 3791 Zeichen
Google schraubt weltweit seine Android-Regeln zurück. Der Tech-Riese reagiert damit auf massiven Druck europäischer Wettbewerbshüter und ein US-Gerichtsurteil. Hintergrund sind drohende Milliardensanktionen aus Brüssel.
Gerichtsurteil zwingt zu drastischen Gebührensenkungen
Auslöser ist ein Vergleich mit Epic Games, den ein US-Bundesgericht am 4. März 2026 bestätigte. Die Zugeständnisse treffen genau die Kritikpunkte der EU-Kommission. Kern der Reform: Die hohen Play Store-Provisionen sinken deutlich.
Statt bisher 15 bis 30 Prozent kassiert Google künftig nur noch 10 bis 20 Prozent. Entwickler, die den Google-Zahlungsdienst nutzen, zahlen pauschal fünf Prozent. Für den Rest der Transaktion können sie externe Anbieter wählen – ohne weitere Abgaben an Google.
Doch es geht nicht nur um Geld. Das Urteil reißt auch technische Barrieren ein. Über ein neues „Registered App Stores“-Programm erhalten konkurrierende Stores Zugang zum Google-App-Katalog. Das Installieren von Apps aus anderen Quellen wird für Android-Nutzer deutlich einfacher.
Die neuen Regeln sollen ab Juni 2026 in der EU, Großbritannien und den USA gelten. Eine weltweite Ausweitung ist für später im Jahr geplant.
Droht Google die nächste Milliardenstrafe aus Brüssel?
Die Zugeständnisse kommen zu einem brisanten Zeitpunkt. Aus EU-Kreisen gab es am 9. März Hinweise, die Kommission bereite neue Strafen gegen Google vor. Grund sollen Verstöße gegen den Digital Markets Act (DMA) sein.
Konkret geht es um alte „Anti-Steering“-Regeln. Sie hinderten Entwickler angeblich daran, Kunden auf günstigere Abos außerhalb des Play Stores hinzuweisen. Offiziell bestätigt ist dies jedoch nicht. Die Kommission hat bislang keine DMA-Strafe gegen Google verhängt.
Ein wichtiger Punkt: Sollte es eine Strafe geben, wäre sie nicht die erste ihrer Art. Die EU setzt den DMA bereits konsequent durch. Im April 2025 kassierten Apple 500 Millionen und Meta 200 Millionen Euro Strafen. Für Google könnten bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes fällig werden – ein Milliardenbetrag.
Neun Milliarden Vorbelastung: Googles lange EU-Strafhistorie
Der aktuelle Streit ist nur das jüngste Kapitel in einem langen Konflikt. Die EU hat Google in den letzten zehn Jahren bereits Strafe um Strafe auferlegt. Die Gesamtsumme liegt bei rund 9,5 Milliarden Euro.
Die jüngste bestätigte Strafe fiel im September 2025: 2,95 Milliarden Euro wegen Missbrauchs in der Online-Werbebranche. Die Kommission befand, Google habe seine marktbeherrschende Stellung ausgenutzt. Das Unternehmen soll seinen eigenen Werbeplatz-Vermittler AdX systematisch bevorzugt haben.
Laut Urteil informierte Googles Server AdX im Voraus über die höchsten Konkurrenzgebote. Gleichzeitig lenkte Google eigene Werbekäufer gezielt auf die AdX-Plattform. Diese Praxis schadete Wettbewerbern und Verlagen. Die EU ordnete ein Ende dieser Praktiken und strukturelle Änderungen an.
Was bedeuten die Veränderungen für den Markt?
Die Kombination aus neuen Regeln und drohenden Strafen markiert eine Zeitenwende. Für Analysten ist klar: Die Ära der mühelosen 30-Prozent-Margen im App-Geschäft ist vorbei. Ab Juni 2026 muss Google in seinem Services-Bereich mit schrumpfenden Gewinnen rechnen.
Doch die Öffnung könnte dem Konzern langfristig nutzen. Sie könnte das Wachstum der Android-Plattform beschleunigen und Regulierer besänftigen. Auch die britische Wettbewerbsbehörde, die Google kürzlich einen strategischen Marktstatus zuwies, beobachtet die Entwicklung genau.
Jetzt wartet die Tech-Branche gespannt auf Brüssel. Wird die EU-Kommission die März-Zugeständnisse als ausreichende DMA-Compliance werten? Oder folgen doch noch milliardenschwere Strafen? Eines ist sicher: Googles erzwungene Öffnung markiert einen dauerhaften Wandel für digitale Märkte unter europäischem Wettbewerbsrecht.
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