21.03.2026, 3315 Zeichen
T-Systems sichert sich einen Auftrag im zweistelligen Millionenbereich — und rückt damit ins Zentrum eines der ambitioniertesten KI-Projekte Europas. Gleichzeitig hebt JPMorgan das Kursziel an. Die Aktie selbst zeigt sich trotz breitem Marktdruck erstaunlich stabil.
Die Leibniz Universität Hannover hat T-Systems beauftragt, die technische Infrastruktur für das Forschungsprojekt SOOFI bereitzustellen. Ziel ist die Entwicklung eines europäischen Large Language Models mit rund 100 Milliarden Parametern — ein Quantensprung gegenüber dem bisherigen Modell Teuken7B mit sieben Milliarden Parametern.
Ab März 2026 läuft das Training auf rund 130 NVIDIA DGX B200 Systemen in der Industrial AI Cloud von T-Systems. Die Anlage zählt zu den größten KI-Fabriken Europas, verfügt über mehr als 10.000 GPUs und eine Rechenleistung von 0,5 ExaFLOPS. Betrieb und Datenzugriff erfolgen vollständig DSGVO-konform auf deutschem Boden. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Vorhaben mit rund 20 Millionen Euro.
Sechs Forschungseinrichtungen und zwei Start-ups arbeiten im Projekt zusammen. Der Hintergrund ist strategisch: Europas Industrie stützt sich bei KI-Basismodellen bislang fast ausschließlich auf Anbieter aus den USA und China — eine Abhängigkeit, die viele Beobachter mit der früheren Situation im Cloud-Markt vergleichen.
Parallel dazu lieferte JPMorgan ein positives Analystenurteil. Die US-Bank hob das Kursziel für die Aktie von 40,00 auf 41,50 Euro an und bestätigte die Einstufung „Overweight". Analyst Akhil Dattani verwies darauf, dass der europäische Telekomsektor seit Anfang 2024 doppelt so stark zugelegt habe wie der Gesamtmarkt — und die Entwicklung im ersten Quartal 2026 sei relativ zum Markt die stärkste seit 24 Jahren.
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Deutsche Telekom bleibt einer seiner Favoriten, neben BT Group, Orange und Tele2. Dattani bevorzugt Titel mit günstigen Bewertungen und soliden Cashflow-Aussichten — Kriterien, die der Bonner Konzern nach seiner Einschätzung erfüllt.
Trotz der Nachrichten steht die Aktie zuletzt unter Druck. Mit einem Minus von rund 2,3 Prozent am Freitag und einem Rückgang von über fünf Prozent in der vergangenen Woche spiegelt der Kurs die allgemeine Schwäche im DAX wider — getrieben von geopolitischen Spannungen und Energiepreissorgen. Mit 31,41 Euro notiert die Aktie dennoch klar über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 29,54 Euro.
Am 1. April 2026 findet die Hauptversammlung in Bonn statt, auf der eine Dividende von 1,00 Euro je Aktie vorgeschlagen ist. Am 13. Mai folgen die Zahlen zum ersten Quartal — und damit erste Hinweise darauf, ob sich der SOOFI-Auftrag bereits in den Cloud-Umsätzen der T-Systems-Sparte niederschlägt.
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