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Wie man Vertrauen verspielt – in 3 Akten (Stefan Greunz)

16.05.2018, 4010 Zeichen

Es gibt Dinge, mit denen spielt man nicht. Und dazu gehört eindeutig Vertrauen – von Anlegern, Usern und einer gesamten Branche, die in den letzten Monaten und Jahren langsam begonnen hat, sich zu etablieren. So geschehen bei Savedroid, einem bis letztes Jahr unscheinbaren Fintech das weder Geschäftsmodell noch großartige Erfolgs-Stories zu vermelden hatte. Geboren aus der Idee, Kleinst-Sparbeträge via App direkt anzusparen – einfach gesagt eine Spardose auf dem Smartphone. „Geld sparen, ohne daran denken zu müssen“, lautet der Slogan. Das funktioniert mittels automatischer Sparregeln – was nun weder sonderlich innovativ war noch großartige Erträge abwarf sowohl für Anbieter als auch User.

Erster Akt: Kein Geschäftsmodell bei savedroid – und dann kam der ICO

Aber Gott sei Dank gab es nun im letzten Jahr zwei große Themen: Zum einen Cryptocurrencies und zum anderen eine neue Form der Finanzierung: ICO (Initial Coin Offerings) – quasi eine direkte Finanzierung über viele Investoren ohne Börse oder Zwischenhändler. Mit dem Geld aus dem ICO sollte nun auch noch das Sparen in Kryptowährungen ermöglicht werden – also Hype 1 mit Hype 2 kombiniert, eine geniale Idee. Und tatsächlich fanden sich vor allem in der deutschen Finanz- und Influencer-Szene plötzlich ganz viele Akteure die nun das „innovative Konzept“ und den „größten deutschen ICO“ in den Himmel lobten. Und zack hatte man 40 Millionen an Investments am Ende des Tages zusammen. Jeder erfolgreiche Unternehmer, der Umsatz vorweisen kann, wird an diesem Punkt mit Tränen in den Augen in die Tischkante beißen.

Zweiter Akt: Scam, Hack oder PR Stunt?

Alles war wunderbar, man lag sich in den Armen und Yassin Hankir wurde als großer Blockchain-Zauberer gefeiert, der den Weg von regulierten ICOs nun auch in Deutschland ebnete. Die Welt war für wenige Wochen in Ordnung, die Investoren glaubten an eine rosige Zukunft von Savedroid und deren Token.

Und plötzlich schien alles weg. Auf der Website von Savedroid stand nur noch „And it’s gone“. Ein mysteriöser Tweet mit Bild am Strand des Start-up-Gründers kam dazu. Für Presse, Investoren und Berater war er nicht zu erreichen. So sah es aus, als habe sich das Team mit 40 Millionen Euro aus dem jüngst beendeten ICO aus dem Staub gemacht. Oder hatte man gar die Website gehackt?

Dritter Akt: Savedroid klärt auf: Alles nur ein Gag. Nicht lustig!

Nach 24 Stunden die Aufklärung. Alles super, alles toll – man wollte mit der Aktion nur zeigen, dass es im unregulierten ICO Bereich noch viel zu tun gäbe und man auch noch schnell das Geschäftsmodell gedreht hat. „Man bietet nun ICO Beratung an, damit andere nicht auch in eine ähnliche Falle tappen“. Ich möchte hier als langjähriger Fintechs-Startup-Gründer, der mit hunderten Banken, Finanzdienstleistern, Medien über Partnerschaften gesprochen hat und damit auch Vertrauen für die gesamte Fintech-Branche versucht hat aufzubauen, laut schreien ob der unfassbaren Arroganz und Egomanie eines Einzelnen.

Das Vertrauen ist weg – die Branche hadert

Hier geht es um Geld. Vertrauen ist das zentrale Gut bei Finanzdienstleistungen. Jeder Marketingmensch weiß, dass es zehn Mal schwieriger ist, Vertrauen aufzubauen, als es simpel zu verlieren. Den Schaden kann das Unternehmen nicht mehr gut machen. Nicht zuletzt geht es nicht nur um die Glaubwürdigkeit von ICOs, sondern auch von der Fintech- und der gesamten Finanzbranche, dem Savedroid Schaden zugefügt hat. Innerhalb der Banken und auch bei Regulatoren wird es ganz sicher schwerer werden, sich innovativ mit dem Thema ICO oder Cryptocurrencies im Allgemeinen zu befassen – auch der Akzeptanz bei Investoren war es sicherlich nicht zuträglich. Denn die drastischen Konsequenzen, die es haben kann, hat Savedroid überzeugend klar dargestellt. Die Ironie an der Geschichte: Genau das wollten sie auch.

Der Beitrag Wie man Vertrauen verspielt – in 3 Akten erschien zuerst auf Wir leben Wachstum und Digitalisierung | Growth Ninjas.

 

Im Original hier erschienen: Wie man Vertrauen verspielt – in 3 Akten


(16.05.2018)

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