25.02.2020, 3593 Zeichen
FX/Zinsen: Um den gestrigen Tag an den Devisenmärkten zu beschreiben, möchte ich die Worte "Panik" und "katastrophal" lieber durch "Besorgnis" und "turbulent" ersetzen. Zum heutigen Faschingsdienstag passt die derzeitige Stimmung jedenfalls gar nicht. Die Flucht in sichere Häfen ließ den Japanischen Yen und vor allem den Schweizer Franken (wieder)erstarken. Wenn Sie sich wundern, warum ich das schreibe, obwohl der "Stutz" (EUR/CHF startet knapp über 1,0620...) ja unverändert dasteht, darf ich Ihnen einen Blick auf den gestrigen Tageschart ans Herz legen. Trotz des fast schon greifbaren Aufwertungsdruck schaffte es EUR/CHF immer und immer wieder über 1,0610, ehe um die Mittagszeit die Stunde der Franken-Käufer schlug. Erst bei 1,0590 waren die Herren vom Paradeplatz in Zürich vom Lunch zurück und flugs wurde verlorenes Terrain wieder gutgemacht, ehe abends sogar noch 1,0630 anvisiert wurde. Der US-Dollar konnte den anfänglichen Push nicht wirklich halten und gab gegen Tagesende seine Gewinne wieder ab, sodass er nahe den Werten vom vergangenen Freitag (nach den enttäuschenden Konjunkturprognosen) in den Tag startet, was für EUR/USD 1,0860 bedeutet. Es riecht ein wenig nach Konsolidierung - die Entwicklungen an der Virus-Front werden natürlich mit Argusaugen beobachtet und auch bewertet - daher könnten wir bis zum Auftauchen neuer Fakten (Veränderung von Ansteckungsquoten, massive Stilllegungen von öffentlichem Leben und / oder Betrieben, Impfstoff...) nun etwas ruhigere Fahrwasser zum Abwarten nutzen. Die Zinskurven bilden weiterhin die Gemengelage aus ohnehin weitgehend akkommodierender Geldpolitik und wieder gestiegenen Konjunktursorgen ab. Flach, flacher - Corona... So macht die Delle zwischen 2- und 5-jährigen US-Treasuries aktuell wieder 6 Basispunkte aus, 10-jährige US-Staatsschuldverschreibungen bringen gerade einmal 1,40 %. Die Pendants aus Deutschland ("Bünder") kosten 48 Basispunkte, wer sich italienische Staatspapiere "einbildet", muss sich aktuell mit einer Rendite von 0,97 % begnügen.
Aktien/Commodities: Die gestrigen Schlusskurse der wichtigsten Börsen-Indizes sind heute selbsterklärend: DAX -4%, ATX -3,5 %, Paris (CAC) -4 %, Mailand -5,4 % (!), Nasdaq -3,7 % Dow -3,6 %, S& P -3,3 %. Noch Fragen? Asien versucht nach den herben Verlusten von gestern heute den Schaden zu begrenzen, die Meldung von nachlassenden Infektionszuwächsen in China kalmiert die Nervosität offenbar etwas. So liegt Hongkong sogar etwas im Plus, während Shanghai mit -0,5 % das Auslangen findet. Tokio war gestern geschlossen, somit sind die -3,3 % von heute hauptsächlich dem Aufholen geschuldet. Die Vorbörse lässt aktuell eine dezente Konsolidierung für Europa vermuten, so liegt der DAX derzeit 0,5 % vorne. Bei den Edelmetallen regieren heute die Gewinnmitnahmen, bei Goldpreisen von knapp 1.700,- USD/Feinunze auch kein Wunder. Die Rohölpreise haben ebenfalls zu einer Bodenbildung angesetzt, so kostet die Nordseesorte Brent derzeit 56,60 USD/Barrel.
Allgemein: Ob der heutige Faschingsdienstag an den Börsen zu einem echten "Mardi Gras" ("fetter Dienstag") werden kann, darf zumindest bezweifelt werden. Jedenfalls gesichert ist jedoch das Faktum, dass das Lachen, eines der wichtigsten emotionalen Ausdrucksweisen des Menschen, eine Entlastungsreaktion nach überwundenen Gefahren und ein Abwehrmechanismus gegen spontane Ängste ist. Außerdem werden beim Lachen auch noch deutlich mehr Kalorien als beim Weinen verbrannt, es ist somit auch noch gesund und passt nicht nur, aber derzeit besonders gut, zur angespannten Gesamtsituation. In diesem Sinne: Lei, Lei!
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