26.11.2017, 4957 Zeichen
Raiffeisen-Finanzexpertin Ingrid Szeiler erwartet in den kommenden Wochen eine schwächere Entwicklung an den Aktienmärkten.
„Goldilocks“ bezeichnet ein Umfeld für die Finanzmärkte, in dem es – tatsächlich oder vermeintlich – nur positive Einflüsse gibt. In den letzten Wochen und Monaten hat sich ein solches Szenario herauskristallisiert. Einerseits haben sich die Fundamentaldaten (das sind etwa Konjunkturindikatoren und die Entwicklung der Unternehmensgewinne) sehr positiv entwickelt und andererseits macht die Inflation keine Anstalten, signifikant zu steigen. Letzteres erlaubt es den Notenbanken, ihre außerordentlich lockere Geldpolitik fortzusetzen bzw. nur sehr langsam zurückzunehmen. Einfach perfekt. Folgerichtig eilen die Aktienmärkte von einem Hoch zum nächsten, wie Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG, in einem aktuellen Kapitalmarktkommentar schreibt.
Die Aufwärtsbewegung finde überdies bei sehr niedrigen Schwankungen statt. Die Volatilität der Aktienmärkte liege heutzutage etwa um 40 bis 60 Prozent niedriger als im Schnitt der letzten 15 Jahre. Der S&P 500 Index (WKN: A0AET0 / ISIN: US78378X1072) handele seit 342 Tagen ohne Fünf-Prozent-Korrektur, eine längere Phase habe es seit 1970 nur einmal in den 1990er Jahren gegeben. Und auch die erwartete Volatilität habe historische Tiefstände erreicht. Wo kein Risiko sei – sei es aus Sicht des fundamentalen Umfelds, sei es aus Sicht der Kursschwankungen – da müssten auch keine Risikoprämien sein. Dies sei schön abzulesen am Markt für Unternehmensanleihen, wo die „Spreadrallye“ (das sei die Abwärtsbewegung der Risikoaufschläge) zuletzt noch beschleunigt habe. Die Rendite für High Yield-Anleihen schlage dieser Tage auf die Zwei-Prozent-Marke auf, ein Niveau, das noch vor wenigen Jahren für Euro-Staatsanleihen bezahlt worden sei. Somit sehe man sich einem überhitzenden Markt gegenüber, an dem ein Rückschlag überfällig sei. Andererseits sei den weiter verbesserten Konjunktur- und Unternehmensdaten Rechnung zu tragen, heißt es weiter.
„Die Fundamentaldaten in den USA sind robust bzw. verbessern sich laufend und die Inflation ist niedrig, so dass die Notenbank nur langsam bremsen wird. Das wirkt wie Treibstoff für die US-Aktienmärkte. Wir erachten den wichtigen US-Aktienmarkt im historischen Vergleich inzwischen als sehr teuer bewertet. Die europäischen Aktienmärkte konnten nach einer Konsolidierungsphase in den Sommermonaten zuletzt wieder deutlich zulegen. Auch hier unterstützen sehr gute Konjunktur- und Unternehmensdaten sowie eine vorerst weiterhin expansive Notenbankpolitik die Entwicklung. Die Erwartungshaltung der Investoren hat sich diesem positiven Bild angepasst und spiegelt sich aktuell in einer sehr optimistischen Stimmung wider. Wir sehen daher kurzfristig das Potenzial für weitere positive Überraschungen begrenzt und erwarten in den kommenden Wochen eine schwächere Entwicklung an den Aktienmärkten. Die Wertentwicklung der Emerging Markets-Aktien wurde in den vergangenen Monaten nur durch den starken EUR-Wechselkurs gebremst. Alle anderen Komponenten zeigen zuletzt eine äußerst ansprechende Entwicklung. Damit sind auch die Bewertungen angestiegen, die aber nach wie vor auf soliden Niveaus sind und weiterhin durch gutes Gewinn-Momentum tief gehalten werden“, so Szeiler.
Trotz der allgemein guten Konjunkturdaten sei die Inflation in den USA nach wie vor niedrig. Für 2018 erwarte man lediglich einen leichten Anstieg auf 2,2 Prozent. Angesichts der guten Daten sei auch der erwartete Zinspfad überaus moderat. Bis Ende 2018 würden die Leitzinsen demgemäß in etwa bei zwei Prozent liegen. Auch die gute, fast sorglose Stimmung in Europa sei doch ein wenig überraschend. Die Beinahe-Eskalation der Situation zwischen den USA und Korea im Sommer sei völlig vergessen, die Maßnahmen der Separatisten zur Abspaltung in Katalonien hätten den Markt für europäische Staatsanleihen nur ganz kurz bewegt. Die Risikoaufschläge seien allerorts weiter rückläufig. Emerging Markets-Währungen seien weitgehend stabil, wodurch Investoren eine recht hohe Rendite von bis zu sechs Prozent verdienen können. Dies werde von der Investorenschaft durch kontinuierliche Zuflüsse in diese Assetklassen honoriert, heißt es weiter.
„Auch bei den Unternehmensanleihen sind die Risikoaufschläge weiter rückläufig, unabhängig von deren Bonität. Die Ausfallsraten sind historisch niedrig und alles scheint eitel Wonne. Doch sind diese Märkte schon teuer und das weitere Kurspotenzial daher eingeschränkt… Nach einem sehr schwachen ersten Halbjahr präsentierte sich auch der Energiesektor zuletzt deutlich stärker. Rückgänge bei den Lagerdaten in Kombination mit guten Nachfragedaten sorgen für einen Aufwärtstrend bei den Preisen. Wir erwarten, dass sich dieser Trend in den nächsten Monaten fortsetzt. Wir sind für die Entwicklung der Anlageklasse in den nächsten Monaten unverändert positiv gestimmt“, so Szeiler.
Autorin: Tomke Hansmann, Redakteurin bei GodmodeTrader.de
BörseGeschichte Podcast: Peter Brezinschek vor 10 Jahren zum ATX-25er
S&P 500 Letzter SK: 0.00 ( 0.16%)
Bildnachweis
Aktien auf dem Radar:voestalpine, CA Immo, Andritz, Austriacard Holdings AG, RHI Magnesita, Addiko Bank, Rosgix, SBO, Wienerberger, Rosenbauer, Marinomed Biotech, EVN, Mayr-Melnhof, AT&S, DO&CO, Kapsch TrafficCom, Polytec Group, Frequentis, Palfinger, Agrana, Amag, Oberbank AG Stamm, BKS Bank Stamm, Josef Manner & Comp. AG, SW Umwelttechnik, Zumtobel, Wolford, Österreichische Post, Verbund, GEA Group, Merck KGaA.
Random Partner
Uniqa
Die Uniqa Group ist eine führende Versicherungsgruppe, die in Österreich und Zentral- und Osteuropa tätig ist. Die Gruppe ist mit ihren mehr als 20.000 Mitarbeitern und rund 40 Gesellschaften in 18 Ländern vor Ort und hat mehr als 10 Millionen Kunden.
>> Besuchen Sie 61 weitere Partner auf boerse-social.com/partner
Latest Blogs
» Österreich-Depots: Wieder Rekord bei Stockpicking Österreich (Depot Komm...
» Börsegeschichte 13.1.: Bitte wieder so wie 1997 (Börse Geschichte) (Börs...
» Nachlese: Bundesfinanzierungsagentur holt internationalen IR-Preis nach ...
» In den News: Agrana-Zahlen, Pierer Mobility nun Bajaj Mobility, Post kau...
» Wiener Börse zu Mittag etwas leichter: Erste Group, Austriacard und Bawa...
» Börse-Inputs auf Spotify zu u.a. Christian Schreckeis OeBFA, Peter Brezi...
» ATX-Trends: AT&S, DO & CO, EVN, Post ...
» Österreich-Depots: Stockpicking Österreich auf weiterem High (Depot Komm...
» Börsegeschichte 12.1.: UBM, EVN (Börse Geschichte) (BörseGeschichte)
Useletter
Die Useletter "Morning Xpresso" und "Evening Xtrakt" heben sich deutlich von den gängigen Newslettern ab.
Beispiele ansehen bzw. kostenfrei anmelden. Wichtige Börse-Infos garantiert.
Newsletter abonnieren
Runplugged
Infos über neue Financial Literacy Audio Files für die Runplugged App
(kostenfrei downloaden über http://runplugged.com/spreadit)
per Newsletter erhalten
- Österreich-Depots: Wieder Rekord bei Stockpicking...
- Börsegeschichte 13.1.: Bitte wieder so wie 1997 (...
- Nachlese: Bundesfinanzierungsagentur holt interna...
- Auf dem Radar: Rosgix, Wienerberger (#gabb Radar)
- In den News: Agrana-Zahlen, Pierer Mobility nun B...
- (Christian Drastil)
Featured Partner Video
Börsepeople im Podcast S22/18: Christian Mattasits
Christian Mattasits ist CEO der Finanzfuchsgruppe, ausserdem spielt er in seinem eigenen Fussballteam. Einer, der sich der Vermögensberatung, Finanzierung und Finanzplanung für Private und Unterneh...
Books josefchladek.com
Claudia Andujar
Genocídio do Yanomami
2025
Void
Tenmei Kanoh
New York 1969
2014
Ishi Inc.
Ludwig Kozma
Das Neue Haus
1941
Verlag Dr. H. Girsberger & Cie
