10.12.2018, 6512 Zeichen
Andreas Kern" data-udi="umb://media/6dc0a03189d846a88cd0b6381a4e183f" />zum Ende des Jahres dominieren zwei Dinge die Börsennachrichten: Rückblicke auf das vergangene Jahr und Ausblicke auf das kommende. Bei letzteren hat sich der dänische Onlinebroker Saxobank einen Namen gemacht. Nicht weil die „10 ungeheuerlichsten Prognosen“ der Bank so exakt wären, sondern weil sie mit einem deutlichen Augenzwinkern das Bewusstsein für Entwicklungen schärfen wollen, die sich die meisten im Börsenalltag nicht einmal vorstellen können. So „erwarten“ die Analysten aus Kopenhagen für das kommende Jahr beispielsweise, dass Apple den Automobilhersteller Tesla für exakt 520 USD pro Aktie kaufen wird. Auch ein gewaltiger Sonnensturm mit Schäden von wenigstens zwei Billionen USD ist in den Karten. Tatsächlich landeten die Dänen in der Vergangenheit sogar den einen oder anderen Volltreffer: So prognostizierten sie zutreffend zunächst den Aufstieg und dann auch noch den Fall des Bitcoin.

Regeln als Leitplanken
Unverhofft kommt in der Finanzwelt also durchaus vor. Das wurde in den letzten Tagen wieder einmal deutlich: Kaum war es zum vorläufigen (?) Friedensschluss in den Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China gekommen, schon wurde mit der Verhaftung der Finanzchefin des chinesischen Handyherstellers Huawei in Kanada ein neuer Konflikt eröffnet – mit ungewissem Ausgang. Die Voraussagen der Saxobank machen aber auch deutlich, dass man nicht immer und schon gar nicht ausschließlich auf die Verlautbarungen der „Experten“ hören sollte. Prognosen, das wusste schon Mark Twain, sind besonders schwer, wenn sie die Zukunft betreffen. Für den nachhaltigen Anlageerfolg ist daher weniger die Auswahl der „perfekten“ Aktie entscheidend, als die Beachtung jener Regeln, die verhindern, dass die Performance ruiniert wird oder man aus hervorragenden Investments vorzeitig herausgeschüttelt wird.
Im Netz der Dinge
So hat sich beispielsweise Marius Rimmelin („audiophile“) und seinem wikifolio „Internet der Dinge | Technologie“ eindeutige Regeln verordnet: Es gilt die klare Beschränkung auf einen konkreten Technologiebereich. Die Titelauswahl wird strikt nach den Vorgaben der Fundamentalanalyse getroffen.
Die Haltedauer ist von vorneherein als langfristig definiert. Angesichts dieser Rahmenbedingungen verwundert es nicht, dass Amazon, Alphabet und Microsoft die Alphatiere des Portfolios sind. Allerdings hat sich in die US-Phalanx mit Bechtle auch ein deutsches IT-Unternehmen geschlichen, immerhin 8,3% des Gesamtkapitals hat Rimmelin hier investiert. Seine konsequente Strategie hat ihm einen Zuwachs von ordentlichen 8,7% auf Jahressicht beschert.
Guter „Fang“
Noch klarer definiert sind die Regeln des wikifolios „Premium FANG 60/40“ von Matthias Kick („boersenkick“). 60% des Anlagekapitals sollen in die führenden US-amerikanischen Technologieaktien investiert werden, die restlichen 40% in vier bis sechs Werte aus Asien und Europa. Alle Positionen werden mit Stopp-Loss-Marken abgesichert, die bei entsprechender Kursentwicklung konsequent nachgezogen werden. Ausschlaggebend für die Aufnahme in das Portfolio sind die Wachstumsaussichten der Unternehmen. Die Grundvoraussetzung ist allerdings eine Börsennotierung von mindestens einem Jahr sowie ein positiver Trend von wenigstens +15% auf Jahressicht. Den Vorgaben entsprechend finden sich altbekannte Tech-Schwergewichte im Portfolio: Alphabet, Amazon, Apple und Microsoft.
Von der europäischen Seite des Atlantiks gesellen sich noch die deutschen Unternehmen Wirecard, Bechtle und Sartorius dazu. Während Kick gemäß seiner Strategie in den USA voll investiert ist, würde ihm die aktuell bei 10% liegende Cash-Reserve noch Zukäufe in Europa oder Asien erlauben. Angesicht der Jahresperformance von +14,9% kann man bei seinem wikifolio von einem wirklich guten „Fang“ sprechen.
Pop rockt!
Auf klar definierte Positionsgrößen setzt Moritz Lange („LangeKapital“) mit seinem wikifolio „Aktien-Werte aus der Popkultur“. Kein Wert darf mehr als 10% des Gesamtportfolios ausmachen. Dies impliziert nicht nur ein regelmäßiges Rebalancing, falls ein Wert durch die Decke gegangen sein sollte, sondern eröffnet auch die Möglichkeit, Schwächephasen konsequent für Nachkäufe zu nutzen. Auch bei seiner Sektorenauswahl ist Lange konsequent und setzt auf die „Popkultur“: Unternehmen aus dem Bereich Medien kommen ebenso in die engere Auswahl wie Mode- oder Sportunternehmen. Einzige Ausnahme ist ein Gold-ETF, der zur Absicherung ins Portfolio aufgenommen wurde. Derzeit sind allerdings alle Positionen weit von der 10%-Obergrenze entfernt.

Entsprechend hält Lange satte 43% Cash – offenkundig glaubt er nicht daran, dass der Weihnachtsmann den Anlegern noch eine Jahresendrally bescheren wird. Die aktuelle Performance der Börsen bestätigt ihn darin. Seine eigene Performance von +13,9% auf Jahressicht bestätigt ihrerseits seinen guten Riecher.
Was kommt?
Das sollten Anleger im Auge behalten
Heute wird in Großbritannien die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts verkündet. Besonders im Hinblick auf den näher rückenden Brexit sind die Zahlen von Interesse. Am Mittwoch verkünden bereits früh morgens die Schweizer Zentralbanker ihre letzte Zinssatzentscheidung des Jahres. Nach dem Mittagessen folgen die EZB-Kollegen aus Frankfurt mit ihrem Statement hinsichtlich Leitzinssatz und dem Einlagezins für die Banken.
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Im Original hier erschienen: Ungeheuerliches aus D?nemark
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