24.03.2026, 3179 Zeichen
Die dritte Runde der Chemie-Tarifverhandlungen läuft — und das Ergebnis trifft Evonik an einer besonders empfindlichen Stelle. Der Konzern will bis Ende 2026 rund 400 Millionen Euro jährlich einsparen. Ein höherer Tarifabschluss würde direkt in diese Kalkulation eingreifen.
Die Gewerkschaft IGBCE und der Arbeitgeberverband BAVC sitzen heute und morgen in Bad Breisig am Verhandlungstisch. Zwei Runden ohne Einigung liegen bereits hinter beiden Parteien. Die Arbeitgeber verweisen auf hohe Energiepreise, Konjunkturflaute und US-Zölle. Die Gewerkschaft kritisiert, das bisherige Angebot liege zu weit von der Lebensrealität der rund 585.000 Beschäftigten in der Chemie- und Pharmaindustrie entfernt.
Für Evonik ist das Tarifthema besonders heikel. Rund 320 Millionen Euro der geplanten Einsparungen — also etwa 80 Prozent — sollen durch den Abbau von 2.000 Stellen weltweit erreicht werden. Steigen die Personalkosten durch einen höheren Abschluss, gerät das Programm „Evonik Tailor Made" unter Druck. Der ROCE lag 2025 bei lediglich 6,1 Prozent, weit entfernt vom mittelfristigen Ziel von 11 Prozent.
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Mitten in dieser Gemengelage stufte Barclays die Aktie von „Equal Weight" auf „Overweight" hoch und hob das Kursziel von 16 auf 17 Euro an. Analyst Anil Shenoy stützt seinen Optimismus auf zwei konkrete Thesen.
Erstens: Der Methionin-Markt dreht sich strukturell. Infolge des Iran-Kriegs geraten asiatische Produzenten unter Druck, globale Abnehmer weichen auf nicht-asiatische Quellen aus — Volumenströme, die Evonik zugutekommen. Methionin-Preise sind bereits in China und Europa gestiegen. Zweitens: Evonik ist nach Einschätzung von Barclays weniger anfällig für hohe Gaspreise als energieintensivere Wettbewerber — ein struktureller Vorteil, der in der aktuellen Kostenlage der Branche an Gewicht gewinnt.
Neben der Tarifrunde belastet ein weiterer Faktor das Bild. Der CFO-Posten ist seit September 2025 vakant; die Besetzung soll bis zur Hauptversammlung am 3. Juni 2026 in Essen erfolgen. Auf derselben Veranstaltung wird auch über die Dividende abgestimmt. Der Vorstand hatte per Ad-hoc-Mitteilung angekündigt, die Ausschüttungsquote künftig auf 40 bis 60 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses festzulegen. Als Übergangsregelung für 2025 sind 1,00 Euro je Aktie geplant.
Ob die gestiegenen Methionin-Preise bereits im Zahlenwerk ankommen, zeigt sich am 8. Mai, wenn Evonik die Ergebnisse für das erste Quartal 2026 vorlegt. Das Tarifergebnis dieser Woche dürfte bis dahin bereits einen ersten Hinweis liefern, wie belastbar das Kostensenkungsprogramm in der Praxis tatsächlich ist.
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