28.03.2026, 2984 Zeichen
TSMCs Auftragsbücher für 2026 sind voll — und genau das ist das Problem. Wer jetzt Chips in großem Maßstab braucht, muss warten. Für die KI-Industrie bedeutet das einen strukturellen Engpass, der sich so schnell nicht auflösen wird.
Die Produktionskapazitäten des weltgrößten Chipfertigers sind für das laufende Jahr vollständig ausgelastet. Nennenswerte Erweiterungen sind laut Berichten erst ab 2027 zu erwarten. Das trifft besonders die Entwickler hochentwickelter KI-Architekturen, die auf TSMCs fortschrittlichste Fertigungsknoten angewiesen sind.
Gleichzeitig baut TSMC seine Lieferkette in Taiwan weiter aus. Am 25. März eröffnete der europäische Industriegasanbieter Air Liquide sein erstes Werk für hochentwickelte Materialien im taiwanischen Taichung — Teil einer Investitionsstrategie, die seit 2019 mehr als eine Milliarde Euro in Taiwan umfasst. Die Anlage produziert spezialisierte Moleküle für Nanoprozesse, die für KI- und Hochleistungschips unverzichtbar sind. Hintergrund ist auch eine drohende Heliumknappheit, die mit geopolitischen Spannungen im Nahen Osten zusammenhängt — Helium ist ein kritischer Stoff in der Chipfertigung.
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Neben den Kapazitätsgrenzen wächst der externe Druck. US-Behörden ermitteln wegen illegaler Exporte von KI-Chips nach China. Eine jüngste Anklage betrifft ein mutmaßliches 2,5-Milliarden-Dollar-Schema, bei dem zwischen 2024 und 2025 KI-Server mit Nvidia-Chips illegal an chinesische Kunden geliefert worden sein sollen. Die verschärfte Regulierung trifft die gesamte Halbleiterbranche.
Hinzu kommen Bedenken zur Energieversorgung Taiwans. Mögliche Unterbrechungen bei Flüssigerdgaslieferungen gelten als Risikofaktor für TSMCs energieintensive Fertigungsanlagen. Das wiegt schwer, weil die Entwicklung nächster Chip-Generationen direkt von einer stabilen Produktion abhängt.
Trotz dieser Belastungen ist die Aktie seit Jahresbeginn rund vier Prozent im Plus — allerdings notiert sie aktuell rund 13,5 Prozent unterhalb ihres 52-Wochen-Hochs. Im März verzeichnete das Papier laut Marktbeobachtern Nettoabflüsse, die auf allgemeines Risikoabbau institutioneller Investoren zurückgeführt werden.
Mit einem geschätzten globalen Marktanteil von 65 Prozent in der Auftragshalbleiterfertigung bleibt TSMC strukturell unverzichtbar. Das eigentliche Wachstumspotenzial liegt damit in den geplanten Kapazitätserweiterungen ab 2027 — wenn Nachfrage und Angebot wieder enger zusammenfinden.
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