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Kern und eine Erwartungshaltung Marke Obama (Verena Nowotny)


Autor:
Verena Nowotny

Verena Nowotny ist Gesellschafterin und Prokuristin bei Gaisberg Consulting und hat zahlreiche Krisenfälle in Unternehmen und im öffentlichen Bereich als Sprecherin und Krisenmanagerin betreut, u.a. die Tsunami-Katastrophe 2004. Mit mehr als 20 Jahren internationaler Erfahrung unterstützt sie Unternehmen, Start-ups und Institutionen vor allem in den Bereichen strategische Kommunikation, Krisenkommunikation und Public Affairs. 

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20.05.2016, 3563 Zeichen

Bundeskanzler Christian Kern wird definitiv nicht an mangelndem rhetorischem Talent scheitern – dies haben seine ersten Tage im Amt bereits gezeigt. Die größte Gefahr für ihn sind völlig außerirdische Erwartungshaltungen.

Die einen nannten es auf Facebook den „WOW-Effekt“, den sie nach einer ersten Begegnung mit dem frischgebackenen Kanzler Kern hatten. „Kanzler der Herzen“ titulierte ihn das Nachrichtenmagazin profil. Die Fraktion Sozialistischer Gewerkschafter Niederösterreich schwang sich zu einem beschwingten „YES WE KERN!“ auf. Verzückte Begeisterung allerorten, Großbuchstaben und schlechte Wortspiele dominieren Soziale Medien ebenso wie analoge.

Zweifelsfrei ist der massive Qualitätssprung an Sprachgewandtheit und Stimmlage in den ersten öffentlichen Wortmeldungen von Bundeskanzler Kern wohltuend deutlich geworden. Neu ist auch das Einsickern von humorvollen, spontanen Pointen in einer Pressekonferenz (ein lang vermisstes Gewürz in der politischen Debatte). Bundeskanzler Kern bediente in seinen ersten Reden nicht nur die Medien mit flotten „Sagern“ („Ich weiß schon, diese Komplottgeschichte ist einfach zu gut, als dass Sie sie auslassen könnten. Aber ehrlich gesagt, das ist ein bisserl House of Cards für Arme“.[1]), er nimmt sich auch die Zeit, um zuerst auf die emotionale Befindlichkeit der Bürgerinnen und Bürger einzugehen. Seine Regierungserklärung erlaubte einen ersten Einblick in seine politischen Zielsetzungen und Überzeugungen. Dass er sich dazu bekennt, dass im Jahr 2016 Visionen und der Mut dazu notwendig seien, stimmt zuversichtlich: hier hat einer begriffen, dass es Ziele braucht, um Menschen dazu zu motivieren, auf seinem Weg mitzugehen.

Es wäre unredlich, in diesen ersten Tagen der Kanzlerschaft Christian Kern mehr zu beurteilen als seine Kommunikation. Noch ist es zu früh für eine Beurteilung seiner konkreten Politik oder gar eines Leistungsnachweises.

Doch die größte Gefahr für Kanzler Kern – und er hat dies schon mit Schaudern erkannt, sonst hätte er es in seiner Regierungserklärung nicht voran gestellt – ist die geradezu euphorische Stimmung, die sein Amtsantritt unter gar nicht wenigen Menschen in Österreich ausgelöst hat. Oliver Pink hat diesen Überschwang in Die Presse in einer satirischen Glosse bildhaft dargestellt: „Am Abend war er dann bereits in der ZiB 2. Die Menschen hingen an seinen Lippen, die Straßen waren leer gefegt. Viele weinten. Solche Worte hatten sie seit Jahren nicht mehr gehört. Andere liefen danach jubelnd durch die Straßen oder veranstalteten Auto-Corsos. Oder sprangen vor der Löwelstraße im Überschwang nackt in den Brunnen (Wie? Da gibt es gar keinen Brunnen? Egal!).“

Wie gefährlich solche überzogenen Erwartungen für Politiker sind, musste auch US-Präsident Barack Obama erfahren, der ebenfalls zu Beginn seiner Amtszeit gleichsam als Messias gefeiert, mit Lobhuldigungen und dem (völlig unverdienten) Friedensnobelpreis überschüttet wurde. Dieser Rucksack der Erwartungen hat seine politische Arbeit weder erleichtert, noch zu einem realistischen Bild, was Politiker leisten können und was sie nicht leisten können, beigetragen.

Bundeskanzler Kern kommt aus dem Management und hat in der ÖBB durchaus – für Kunden spürbare – Verbesserungen erreicht. Wenn der sprachgewandte Kanzler es schafft zu vermitteln, dass er als Kanzler vor allem ein Manager der Republik ist und kein Heilsbringer, wäre schon viel gewonnen.

[1] Bei der Pressekonferenz am 17.5.2016, angesprochen auf das Gerücht, dass Kern und Zeiler schon seit einem Jahr am Sturz von Kanzler Faymann gearbeitet hätten.


(20.05.2016)

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