12.03.2026, 3528 Zeichen
Eine neue Studie zeigt: Das biologische Alter im Blut lässt sich verlangsamen. Veröffentlicht wurde die Arbeit diese Woche im Fachmagazin Nature Medicine. Ein US-Forschungsteam fand heraus, dass ein simples Multivitaminpräparat die epigenetische Uhr bei Senioren um etwa vier Monate bremste.
Diese Ergebnisse liefern den Beweis: Unser biologisches Alter ist veränderbar. Besonders jene Blutmarker, die mit dem Sterblichkeitsrisiko verknüpft sind, sprachen auf die Nährstoffgabe an. Die Studie analysierte die Daten von knapp tausend Erwachsenen über zwei Jahre.
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Während die März-Studie zeigt, wie sich Blutwerte beeinflussen lassen, liefert eine Schweizer Untersuchung das Idealbild. Die „Swiss 100“-Studie analysierte im Februar die Proteine im Blut von 39 Hundertjährigen.
Das Ergebnis ist verblffend: 37 Proteine wiesen bei den Hochbetagten ein „junges“ Profil auf, ähnlich dem von 30- bis 60-Jährigen. Ein Schlüsselfaktor waren extrem niedrige Werte für oxidativen Stress. Dieser gilt als Haupttreiber der Zellalterung.
Langzeitdaten untermauern diese Befunde. Die schwedische AMORIS-Studie verfolgte über 35 Jahre die Werte von späteren Hundertjährigen. Bereits ab 60 unterschieden sich deren Blutprofile signifikant.
Glukose-, Kreatinin- und Harnsäurewerte lagen tendenziell niedriger. Vor allem aber fehlten Extreme. Sowohl sehr hohe als auch sehr niedrige Messwerte waren bei den Langlebigen selten. Ihr Organismus zeigte eine bemerkenswerte innere Stabilität.
Was macht das Blut der Hundertjährigen so besonders? Neben dem geringen oxidativen Stress identifizierten Forscher weitere Schlüsselfaktoren. Mehrere der 37 Proteine regulieren das Bindegewebe. Andere deuten auf einen hochoptimierten Stoffwechsel hin.
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Vor allem scheinen Hundertjährige besser vor „Inflammaging“ geschützt. Dieser Begriff beschreibt die chronische Entzündungsneigung im Alter, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz erhöht. Ihr Blut zeigt eine bemerkenswerte Resistenz dagegen.
Für die Medizin markieren die Studien einen Wendepunkt. Die Forschung bewegt sich von der Beobachtung hin zu konkreten Zielen für Therapien. Die 37 „Jugend-Proteine“ liefern der Pharmaindustrie klare Ansatzpunkte.
Der nächste logische Schritt? Interventionen zu entwickeln, die das Blutprofil eines Durchschnitts-Sechzigjährigen in Richtung eines Hundertjährigen verschieben. Die Multivitamin-Studie beweist: Solche Verschiebungen sind grundsätzlich möglich.
Bis es spezifische Medikamente gibt, bleibt der Lebensstil der stärkste Hebel. Ernährung, Bewegung und Stressmanagement üben den größten Einfluss auf unsere Blutmarker aus. Die Studien zeigen: Die Antwort auf ein langes Leben fließt buchstäblich in unseren Adern.
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