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Nahrungsergänzungsmittel: Rückrufe offenbaren gefährliche Mängel ( Finanztrends)

02.03.2026, 3706 Zeichen

Aktuelle Rückrufe von Nahrungsergänzungsmitteln befeuern die Debatte um deren Sicherheit. Verbraucherschützer warnen vor Verunreinigungen mit krebserregenden Substanzen und nicht deklarierten Medikamenten. Die Vorfälle zeigen eine gefährliche Lücke im System auf.

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Eine aktuelle Liste der Verbraucherzentrale liest sich wie ein Katalog der Gefahren. Ein zurückgerufener Kräutertee enthielt Danthron – eine potenziell krebserregende und verbotene Substanz. In anderen Fällen fanden sich in Produkten zur Gewichtsreduktion oder Potenzsteigerung plötzlich verschreibungspflichtige Wirkstoffe wie Sildenafil. Für Menschen mit Vorerkrankungen kann das lebensgefährlich sein. Weitere Warnungen betrafen Verunreinigungen mit Aloe-Emodin oder leberschädigenden Pflanzenstoffen.

Diese Fälle sind keine Einzelfälle, sondern Symptom eines strukturellen Problems. Warum gelangen solche Produkte überhaupt in den Handel?

Das große Missverständnis: Lebensmittel statt Medikamente

Der Schlüssel liegt in der rechtlichen Einstufung. Nahrungsergänzungsmittel gelten als Lebensmittel, nicht als Arzneimittel. Das hat gravierende Folgen: Während Medikamente vor der Zulassung Wirksamkeit und Sicherheit beweisen müssen, reicht für Supplements eine einfache Anzeige beim Bundesamt für Verbraucherschutz. Eine Prüfung vor dem Verkauf findet nicht statt.

Die Verantwortung liegt allein beim Hersteller. Viele Käufer gehen fälschlicherweise von einer behördlichen Kontrolle aus. Die Realität: Überwacht wird erst, wenn die Produkte längst im Regal stehen – oft zu spät.

Braucht das wirklich jeder?

Für gesunde Menschen mit ausgewogener Ernährung sind die meisten Pillen und Pulver überflüssig. Das betonen das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) seit Jahren. Bestimmte Gruppen können jedoch profitieren, etwa Schwangere mit Folsäure oder Ältere mit Vitamin D – aber bitte nach ärztlicher Rücksprache.

Die größte Gefahr droht von hochdosierten Produkten, die frei verkäuflich sind. Marktchecks zeigen immer wieder: Viele Präparate überschreiten die empfohlenen Höchstmengen um ein Vielfaches. Das Risiko für gesundheitliche Schäden steigt.

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Warum sich seit 20 Jahren nichts ändert

Die Forderung nach strengeren Regeln ist alt. Bereits 2002 erließ die EU eine Richtlinie für verbindliche Höchstmengen. Doch konkrete Grenzwerte? Fehlen bis heute. Dieser regulatorische Stillstand begünstigt vor allem unseriöse Anbieter im Internet.

Hinzu kommt der Einfluss sozialer Medien. Sie verzerren die Wahrnehmung und befeuern den unkritischen Konsum. Viele der beworbenen Wunderwirkungen sind wissenschaftlich nicht haltbar.

Solange die Politik nicht handelt, bleibt die Vorsicht beim Verbraucher. Experten raten: Kaufen Sie lieber in der Apotheke oder Drogerie als bei unbekannten Online-Händlern. Und sprechen Sie vor der Einnahme mit Arzt oder Apotheker – besonders wenn Sie Medikamente nehmen. Nur so lassen sich riskante Wechselwirkungen vermeiden.


(02.03.2026)

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